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Leitfaden zur Einführung in das Studium der Agrarpolitik / von Dr. Gustav Ruhland
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Einleitung,

Für die Politik der vorivärtsstrebenden Stauten folgten daraus ganz frei

bestimmte Konsequenzen. Die natnralwirtschaftliche Organisation des Lehens- ihm

staates wurde mit Erwägungen durchbrochen, welche der Geldwirtschaft angehörten. liche

Statt der Dienste und Reichuisse In natura an den Staat wurde die Steuer- Frei

leiftung in Geld bevorzugt. Den Gesamtvorrat an Geld betrachtete man als Kön

den eigentlichen Inhalt des Volkswohlstandes. Und es kam deshalb für die sUm

Politik der Staaten alles darauf an, diesen Geldvorrat des Volkes thunlichst Leib

zu mehren. So wurde die Einfuhr von Waren verboten, die Ausfuhr durchPrämien begünstigt und die Industrie aus jede mögliche Weise unterstützt und der

gefördert. Besonders begabte Politiker, wie namentlich der Minister Ludwig XIV. Häl

von Frankreich , Colbert , haben daraus ein umfassendes wirtschaftspolitischesSystem abgeleitet, das lange Zeit hindurch seiner glänzenden Erfolge halbervon den europäischen Kulturstaaten als mustergültig anerkannt wurde. Inder Nationalökonomie wird dasselbe heute alsMerkantilsystem" bezeichnet. i,vn

reich

S. Das physiokratische System. ^

§ 3. Die Zeiten ändern sich. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahr- vera

Hunderts war in Frankreich insbesondere die frühere Vernunft der feudalen an i

Rechtsordnung Unsinn und ihre alten Wohlthaten zu Plagen geworden. Unter Lan

einem extremen Absolutismus wurde der Bauernstand in unerhörter Weise ge- nebe

knechtet und ausgebeutet. Im Gewerbe mußte bei den eingetretenen Ver- des

änderungen in der Technik und in den Absatzverhältnissen der alte Zunftzwang Durnur desto unangenehmer empfunden werden, je mehr Bevormundung von Seiten imeiner Verständnisarmen Bureaukratie sich geltend machte. Und für den Handel über

war selbstverständlich jede einzelne der vielen Schranken eine fortwährend und

fließende Quelle von Ärger und Verdrießlichkeiten. Das konnte auf die Dauer Die

nicht so weiter gehen. Hier mußte Wandel geschaffen werden. Und die Literatur, feit

welche damals Antwort auf die Frage gab: wie hier geholfen werden könnte? Frei

fassen wir heute ihrem Inhalte nach zusammen mit dem Worte:physio- Bedl

kratisches System". Geh

Dessen Grundzüge sind die folgenden: Der Reichtum eines Volkes der

so sagen die Physiokraten besteht nicht in dem Geldvorrat desselben, sondern erzei

in jener Summe materieller Güter, die als Stoffe alle dem Grund und Boden Wer

entnommen werden. Im Boden liegt deshalb der Urquell alles Reichtums. Ursc

Und nur insofern als die Urprvduzenten über die Produktionskosten hinaus noch eng

ein Mehr erzeugen, steigert sich der Gesamtvorrat der materiellen Güter einesVolkes. Die anderen Klassen der Bevölkerung, welche die Güter nicht aus demBoden schöpfen, sind zwar nützlich, aber sie vermehren den Reichtum nicht.

Sie sind nicht eigentlich produktiv. Sie konservieren und verteilen nur die Die

Güter. Eine Ration, welche reich werden will, muß deshalb in erster Linie Ent>

dafür Sorge tragen, daß sich die Urproduktion möglichst vollkommen entfalte. Wert

Diese Entfaltung aber bewirkt der Staat in der denkbar einfachsten Weise in d

dadurch, daß er die alten feudalen Fesseln aufhebt und Grund und Boden dem