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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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71
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gest. 1787.1

Salomon Geßner.

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Stundenlang irr' ich schon mit dieser Last in der Mittagshitze, und keineQuelle find' ich, den brennenden Durst zu löschen, und kein Baum undkeine Staude bietet eine Frucht mir dar, Laß sie mich erquicke. Ach Göt-ter, um mich her seh' ich nur Wildniß, keinen Fußsteig, der mich zu denMeinen führe, und weiter können meine schwankenden Knie' nicht. Doch,ihr Götter, ich murre nicht; denn immer habt ihr geholfen." So sagt'er und kraftlos legt' er sich auf seine Bürde hin. Don ihm nicht gesehn,lief ich da, so schnell ich konnte, zu unsrer Hütte, raffte einen Korb, vollgedörrter und frischer Früchte, zusammen, nahm meine größ'ste Flasche vollMilch und, so schnell ich konnte, lief ich in'ö Gebürge zurück und fandden Mann noch, den itzt ein sanfter Schlaf erquickte. Leise, leise schlich ichmich zu ihm hin und stellte mein Körbchen neben ihn und die Flasche vollMilch, und still schlich ich in'S Gebüsche zurück. Aber bald da erw-chteder Mann; er sah auf seine Bürde hin uud sprach:wie süß ist die Er-quickung des Schlafes! nun will ich's versuchen, dich weiter zu schleppen;hast du doch so sanft mir zum Pfühle gedient. Vielleicht leiten die güti-gen Götter meinen Schritt, daß ich bald das Rieseln einer Quelle höre,vielleicht eine Hütte finde, wo der gutthätige Hauswirth mich unter seinDach aufnimmt." Itzt wollt' er die Bürde auf die Schulter heben;da erblickt' er Flasche und Korb. Aus seinen Armen entfiel die Bürde.Götter, was seh' ich!" so rief er;ach, mir Hungrigem träumetvon Speise, und, wann ich erwache, ist'S Nichts mehr; doch, nein! Götter,ich wache, ich wache!!"Itzt langt' er nach den Früchten.Ich wache; o,welche Gottheit, welche gütige Gottheit thut diese Wunder? Das Ersteaus dieser Flasche gieße ich dir aus, und diese beiden, die größ'sten dieserFrüchte, weih' ich dir. Nimm, o, nimm gnädig meinen Dank auf, dermeine ganze Seele durchdringt!" So sprach er, sehte sich hin und mitEntzücken und mit Freudethräuen genoß er da sein Mahl. Erquickt, stander wieder auf und dankte noch einmal der Gottheit, die so gütig für ihnsorgte.Oder," so sagt' er,haben vielleicht die Götter einengutthätigen Sterblichen hergeführt; o, warum soll ich ihn nicht sehn, ihnnicht umarmen? Wo bist du, daß ich dir danke? Seegnet ihn, ihr Götter!seegnet den Redlichen, die Seinen! seegnet o, seegnet Alles, was ihmzugehört! Satt bin ich, und diese Früchte nehm' ich mit; mein Weib undmeine Kinder sollen davon essen und mit Freudethränen mit mir den un-bekannten Wohlthäter seegnen!"Itzt ging er; o, ich weinte, vor Freude.Aber ich lief durch's Gebüsche den Weg ihm vor und setzte mich an einenBord hin, wo er vorbei mußte. Er kam, er grüßte mich und sprach:höre,mein Sohn, sage! hast du Niemand' auf diesem Gebürge gesehen, der eineFlasche trug und einen Korb voll Früchte?"Nein, Niemand' hab' ichin diesem Gebüsche gesehn, der eine Flasche trug und einen Korb vollFrüchte.-Aber sage mir!"" so fragte ich,wie kamst du in diese