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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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a», iz.JMv.s Friedrich Adolph Krummacher,

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Ehre»/ ein großes Gastmahl an und lud alle seine Freunde. Auf denTischen aber standen viel' herrliche Speisen in Gold und Silber und viel'köstliche Gefäße mit Salben und Wein von allerlei Art. Und der reicheMann saß oben am Tisch' und zu seiner Rechten sein Freund, der ausfernem Lande gekommen rvar. Und sie aßen und tranken und wurden satt.

. Da sprach der Mann aus fernem Lande zu dem Kämmerer des König'sHerodeS: solch' eine Herrlichkeit und Pracht, wie in deinem Hause, er-scheint mir in meinem Lande nicht weit und breit. Und er rühmte allePracht und pries ihn glücklich vor allen Menschen auf Erden.

Aber der reiche Mann, der Kämmerer des König's, nahm einen Apfelvon einem güld'nen Gefäß! Der Apfel aber war groß und schön und röthlich! von Außen wie Purpur. Und er nahm den Apfel und sprach:siehe! dieserApfel ruhte auf Gold und seine Gestalt ist sehr schön", und reichte ihn! dem Fremdling' und Freund' seiner Jugend. Der Fremdling aber durch-schnitt den Apfel, und, siehe! in seiner Mitte war ein Wurm.

Da schaute der Fremdling seitwärts zu dem Kämmerer hin. DerOberkämmerer aber blickte nieder zur Erde und seufzte

6. Der Tulpenbaum.

(§in Gärtner kam zu einem Andern, der auch ein Gärtner war und viel'herrliche Pflanzen und Bäume erzogen hatte. Da redeten sie von allerleiGewächsen, die, in fernen Landen geboren und einheimisch, nun auch inkälteren Himmelsstrichen grünen und blühn, und nannten einander die ei-genen Namen, welche auszusprechen und zu behalten nicht Jedermann'sSache ist. Sie gingen aber in den Garten und besah'n die mannichfal-tigen Gewächse und redeten.

Da erzählte der fremde Gärtner, daß er sich ein Gewächs erzogen, dasein sonderliches vor andern sey, genannt der Tulpenbaum; denn seineBlüthe sey den Tulpen ähnlich an Gestalt; es stamme aber aus fernenfernen Landen und sey nicht zu vergleichen allen übrigen Blumen, Sorühmte er den Tulpenbaum über die Maaßen.

Da entzündete sich in dem Herzen des andern Gärtners die Begier,auch einen solchen Baum zu besitzen, und er bot jenem die schönsten BäuMeseines Geheges, daß er ihm einen Tulpenbaum sendete. Und jener gingund sandte den Baum,

Und als nun der Tulpenbaum begann zu grünen und Knospen zu ge-winnen; da ward der Gärtner voll Freude und erzählte allenthalben vonseinem Baum' und daß er bald Tulpen bringen würde. Der Gärtner aberund all seine Freunde meinten: der Baum müsse in der Blüthe von über-schwänglich schöner Gestalt seyn, jede Blume von herrlich glänzender Farbeund mit feurigen Streifen, und der ganze Baum gleich einem auserlese-