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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
Entstehung
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89
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gest. 1787.)

S a l o n, o n G e ß n e r.

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umsonst flattert meine Taube auf meine Schulter und schnäbelt mich ummeine Lippen und um mein Kinn; Nichts—/Nichts macht mir Freud«; —ach/ unser Vater —/ sollte er sterben; ich stürbe auch." —

„„Ach unser Vater! — weiß'st du noch? — fünf Tage flnd-'S nun;seit er uns Beyde auf seinem Schovß hielt und weinte."" —

„Ach Chlor/ — wie er uns aus die Erde stellte; wie er erblaßte!" —„ich kann euch nicht mehr halten/ geliebte Kinder; mir ist übel/ — sehrübel;" und da wankt' er zu seinem Bette; — seitdem ist er krank." —„„Ach, immer kränker. — Sieh': Was ich vorhabe/ Bruder! Frühging ich aus der Hütte/ um frische Blumen zu brechen und diese Kränzezu machen; dann geh' ich zu der Bildsäule deS Pan; — denn immer sagenunser Vater und uns're Mutter: „die Götter flnd gütig und hören gernfromme Gebete; — ich will geh n und diese Kränze ihm opfern;— undsiehst du es hier im Käficht'? — das Liebste/ was ich habe/ mein Vögel-chen/ will ich ihm auch opfern."" —

„Ach/ meine liebe Schwester/ ich will mitaeh'n; warte/ — nur zweyAugenblicke warte! ich will mein Körbchen, voll der schönsten Früchte,holen und meine Taube; die will ich auch zum Opfer bringen." —

Er lief und kam bald zurück; und sie gingen zu der Säule des Pan,die, nicht weit, unter Fichten auf einem Hügel stand. Jtzt knieten sievor ihm hin, und so steten sie zu dem Gotte:

„Pan, du gütiger Schützer unsrer Triften, höre—, hör' unser Fleh'n!wir sind die Kinder des kranken MenalkaS; höre, o hör' unser Fleh'n!" —„„Höre —, hör' unser Fleh'n, guter Pan! nimm an unser kleinesOpfer, wie Kinder es geben können! Liese Kränze leg' ich vor dich hin;könnt' ich'ö erreichen; — um deine Schläfe und'deine Schultern würd' ich siewinden; rette —, o rette, gütiger Pan, unsern Vater und schenke ihn unsarmen Kindern wieder!"" —

„Diese Früchte bring' ich dir, die süßesten, die ich habe; nimm, —ach, nimm sie gütig an! — die beste Ziege würd' ich dir geopfert haben;wäre sie nicht stärker, als ich, Kind, bin; aber bin ich größer; dann opfreich dir alle Jahre zwey, daß du unsern Vater uns schenktest; — laß'unsernbesten Vater gesund werden!" —

„„Dieses Vögekchen will ich dir opfern, gütiger Pan; es ist unterAllem, Was ich habe, das Liebste; sieh'! es fliegt auf meine, Hand, umSpeise zu haben; aber opfern will ich'S dir, guter Pan."" —

„Und Liese Taube würg' ich dir; sieh'! sie will spiele» und freundlichthun; aber opfern will ich sie, guter Pan, daß du den Vater uns schenkest;höre, — o hör' unser Fleh'n!" —

Die Kinder wollten itzt würgen mit kleinen zitternden Händen; abereine freundliche Stimme rief: „gern hören die Götter die Gebete der Un-schuld; würg't eure Freude nicht, Kinderchen! — euer Vater ist gesund." —