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Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
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XV
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Vorrede III.

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der ccntralen Zusammenfassung des Kirchenregiments in der römischen Bischoss-gewalt." Allein dort geht die Bildungsgeschichte der kirchlichen Rechtsverhält-nisse und die allgemeine Charakteristik des kirchlichen Lebens voraus, hier findalle die Vordersätze schon angegeben, durch welche das römische Bisthum zumBewußtsein seiner Bestimmung gelangte, Chprian und Leo find nur ausführlichgeschildert als die natürlichen Repräsentanten dieser Lebensrichtungcn; und sodas Allgemeine in bedeutenden Persönlichkeiten zur concreten Anschauung zubringen, das halte ich allerdings für die rechte Weise der Geschichtschreibung.Wenn nun alles dasjenige, was unser Kritiker in dieser Kirchengcschichte bereit-willig anerkennt, weil es doch nicht aus Hcgelschcn Principien hervorgegangenund nicht mit den bekannten Formeln dieser Schule ausgeschmückt ist, als etwasdurch den glücklichen Tact des Vers. divinatorisch Herausgefühltes" angesehnwird, so muß ich mir das gefallen lassen. Ich gehöre nicht zu denen, welche daswelthistorische Ercigniß der Hegelschen Philosophie ignorirt haben. Aber wasdie Geschichtschreibung betrifft, so wenig zu zweifeln ist, daß man ein Freundder Hegelschen Philosophie und zugleich ein ausgezeichneter Geschichtschreibersein kann, wie Marheinekes Reformationsgeschichte dies beweist, so fehlt es dochauch bereits nicht an Anzeichen, daß man ein eifriger Hegelianer sein und dieGeschichte ziemlich zu Grunde richten kann; selbst wenn ein so tiefsinniger Mannwie Daub eine Kirchengeschichte in der Art geschrieben hätte, wie er die Methodederselben unlängst in der Zeitschrift für speculative Theologie aufgestellt hat, sowürde diese Kirchengeschichte wenigstens für wenig Sterbliche lesbar gewordensein. Jedenfalls können wir uns getrosten, daß es doch seit den Zeiten des Thu-cydides bereinige Geschichtschreiber gegeben hat, welche, ohne durch Hegelsche Prin-cipien geleitet zu sein und ohne Hegelsche Formeln, durch glücklichen Tact divina-torisch etwas zusammengebracht haben, das so ziemlich wie Geschichte aussteht.

Erfreulich ist mir gewesen, daß einige gelehrte Stimmen aus der katholi-schen Kirche meinen guten Willen anerkannt haben, auch ihrer Kirche gerecht zusein und immer die volle Wahrheit zu sagen. Mehr als diese Anerkennung desguten Willens dürfen wir überhaupt nicht von einander verlangen, denn bei derBetrachtung des einzelnen Ereignisses ist es nicht anders möglich, als daß dieVerschiedenheit des Gesichtspunktes, wie sie durch die Verschiedenheit des kirch-lichen Standpunktes bedingt ist, dem Andern zuweilen als Unbilligkeit erscheine.Es ist aber auch schon mit diesem Vertrauen auf gegenseitigen guten Willen vielgewonnen. Ich meine vornehmlich eine Kritik von Hn. Pros. Hefele in derTübinger Quartalschrist j1836. H. 4j. Es ist ganz recht, daß er es nicht alsmeine eigne Anficht gelten lassen will, wenn es von den Heiligenbildern heißt:die Götzen wurden verbrannt." Doch ist es auch nicht gerade als Zwinglis An-sicht gemeint, sondern als die Ansicht und Sprache jener ganzen Zeit und Um-gebung, von der dieser Bildersturm ausging; um das Motiv desselben möglichstkurz auszusprcchen, ist der an sich so rohe Ausdruck gewählt. In der Stelle vonder Einsetzung Amsdorfs zum Bischof von Naumburg stehn wir einander näher.