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Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
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44 Alte Kirchengcsch. 1. Per. 1. Abschn. b. z. I. 10V.

Das Gemeindeleben bietet manche Vergleichung mit essenischen Zu-ständen?) Die Christen betrachteten sich als das geheiligte Volk Gattes.Alles war voll Erwartung des Übernatürlichen und demgemäßen Glau-bens an seine Erweisungen, ohne daß doch egoistische Ansprüche auf per-sönliche Hülfleistung hervortreten, bei der gepredigten Erhebung überalles Irdische als unter solchen, die nichts haben und doch alles haben.'')Jede Naturgabe, je nach ihrer Eigenthümlichkeit, wurde in den Dienstdes Gottesreichs aufgenommen, und erhöht durch den Gemeingeist derKirche als Gnadengabe des H. Geistes angesehn. Daher ein Geist undvielerlei Gaben. Unter diesen tritt die Gabe wunderbarer Heilungen nuranfänglich bei Petrus bedeutend hervor, wurde jedoch als fortwährendesEigenthum der Kirche betrachtet. Der H. Geist ist der von Christus aus-gehende Gemeingeist der Kirche, welcher die Begeisterung der Einzelnenweckte und in sich aufnahm. Die Äußerungen derselben waren theils wahr-hafte, theils schwärmerische Ausbrüche einer hochgespannten religiösenAufregung in Seufzern, Thränen, Gott allein verständlichen Worten undVisionen, als Erfüllung eines prophetischen Bildes der messianischenWeißagung?) Die fromme Innigkeit wehrtenicht dem Hochmuth auf dasVerdienst äußerlicher Werke, noch die Bruderliebe der Mißgunst und Partei-sucht. In einem judeuchristlichcn Kreise war der Abfall nicht ungewöhn-lich bei drohender Verfolgung, in einem heidenchristlichen geschahn Ver-gehens die als unsühnbar betrachtet werden konnten?) Die christlicheSitte hatte schon nach ihrer jüdischen Keuschheit gegen die Sinnenlust derGriechen vielfach zu kämpfen, auch ergriffen Frauen die Gelegenheit, sichvon damals üblichen Zeichen der Ehrbarkeit zu entbinden?) Fasten undEnthaltsamkeit nach dem Gebrauche des Morgenlandes als Beförderungeiner frommen Stimmung und Feier war früh in dieKirche übergegangen.Paulus verwarf sie zwar, wiefern sie ein Gesetz ober etwas für sich selbersein wollten: aber er hat die Jungfräulichkeit für besonders schön geachtetund eine geringe Ansicht von der Ehe geäußert?) Bürgerliche Verhältnissewurden nicht umgestaltet, aber in sich veredelt, die Handarbeit kam zuEhren und das Evangelium verkündete bereits seine stille Macht zur Er-hebung über die Schranken der alten Welt?) Die Ermahnung zum Ge-horsam gegen die thatsächliche Obrigkeit um des Gewissens willen warnicht überflüßig für das neue königliche Priesterthum?) dem die langeGeduld und Arbeit der geschichtlichen Entwickelung fern lag. Zwar dieweltlich theokratischen Hoffnungen schienen mit dem Tode Jesu abge-brochen: aber der Glaube an die Wiederkunft Christi, die jeder Gläubigenoch zu erleben dachte, trug die kühnsten, mehr oder minder sinnlich ge-faßten Hoffnungen einer Weltkatastrophe in sich, wie die OffenbarungJohannis sie verkündete als Antwort auf die Neronische Verfolgung, und

a) Vrg. Gfrörer, Gesch. d. Urchr.IIl. S. 355. b) 2 607 . k, 10. e) ^ota2, 15-18.1 6 or. 12, 4. 14, 1 ss. /)//eb,-. 8 , 4 ss. Ig, 25 ss. I/o.5,1K. c) 1 607 . 11,1-15. 7, 1 s. 32 ss. A) Ich. ÜNilswoii. k) Lom.13, 1-7. 1 Z?»'. 2, 13-1K.