106 Alte Kircheiigesch. 1. Per. 2. Abscku. I. 100—313.
berührenden fast zur Nothwendigkeit wurde, übten die Gemeinden und dieBischöfe mit gewissenhafter Beschränkung, rücksichtsloser, bis zur Gefahrdie Kirchenzucht aufzulösen, Confessoren und Märtyrer, Im allgemeinengalt der Grundsatz, für jedes Vergehn der bethätigten Reue wenigstens inder Todesstunde die Versöhnung zu ertheilen; doch machtenStrengergesinn-te in einzelnen Kirchengebieken die Überzeugung geltend, daß dieKirche fürbestimmte Verbrechen oder doch für ihre Wiederholung als für Todsündenkeine Vergebung habe?) Nur scheinbar fiel mit der Epcommuuication dieMaßregel zusammen, durch welche einzelne Bischöfe oderSynoden ganzenGemeinden oder Parteien wegen vermeinter unchristlicher Behauptungendie Kirchengemeinschaft aufkündigten.
tz. 70. Der Montanismus.
I. Lus. 8. ece. 5, 3. 14-19. Lxixd. User. 48 8. Das Verwandte u. die gemeineAnsicht übcrsckrcitcndc in allen Lchriftcn Terlullnins. — II. <1. Vsrnsitvrsi cle dlonta-nistis. 6e<1ain 751. 4. 8, Riintei, ditkntn st oisoo. dlontanistar. llsvn. 82g.6. Hiedner, lle >Ioi>tairist. Os. I. .len. 832. 5chwegter, d. Mvnt. u. d, K. des2. Jbh. Tüb. 841. Dess. nachap, Zeiten B. II. S. 25g. Lnur, d, Wesi d. Mont. jTH.Jhrbl', 851. H. 4.j — Aitscht, altkath. Kirche. S. 462. L. Liroedliv, Lssnt eur I«>Iont. 8trasb. 870.
In einer von Phrygien ausgehenden Erregung der Kirche Kleinasienswurde im Gefühl dieser letzten Zeiten die Erwartung der Wiederkunft Chri-sti, die Strenge der kirchlichen Sitte, sowie das Vertrauen auf die fortdau-ernden WundergabendesH. Geistes erneut und gesteigert. DasLeben deswahren Ehristen sei stete Entsagung, sein Gastmahl Fasten, nur an Gottund auf den Märtyrertod soller sich freun, alle irdische Freude, auch anderWissenschaft, ist sündlich. Unzucht, Mord, Abfall schließen hoffnungslosvon der Kirche aus. Aber diejenige Kirche ist nicht die rechte, welche dieStrenge der Sitten nicht durchführt, die zweite Ehe zuläßt, und die Verbre-cher wieder aufnimmt ; über diese fleischliche Kirche fderchu^rriol)! erhebtsich die Kirche des Geistes sder7ivLup>.«rl.-/vlj, denn der Geist ist die Kirche,nicht die Versammlung derBischöfe. Verzückung aus sich selbst heraus, diesergöttliche Wahnsinn, der höchste christliche Zustand, durch welchen die Prophe-ten hoch über den Bischöfen stehn. Das apostolische Christenthum, wie es sichin der Apokalypse darstellt, konnte gegenüber der anhebenden Entwicklungder Kirche zu weltförmigem Bestände, wie gegen die hierarchische Abschlie-ßung desKirchenamtes, im Kampfe mit dem Gnosticismus, und doch vondessen Dränge nach einer höhern Entwickelung ergriffen, allmälich zu die-sem M o n ta n i s m u s werden: aber seine eigne Behauptung einer höhernOffenbarungsstufe innerhalb der Kirche in steigender Verwirklichung desvormals noch nicht Ausführbaren deutet auf das Bewußtsein einer Neue-rung, als deren Träger noch von Zeitgenossen, wenn auch fernstehenden,Montanus aus Mysien genannt wird, wahrscheinlich vorher Priester derCybele,der von zwei prophetischen Frauen umgeben, mit der sinnlich enthu-siastischen Andacht seines Vaterlandes sich als den verkündete, in welchem
dj Leims«, krslvi II, 4, 1. leitul. Da xuä. 1, 12. 6<m<:. Illidsrii, e. I s. 7 88.