142 Alle Kirchcngcsch. 2. Per. Reichskirche. I. 313—800.
Wahrheit zu offenbaren, angelockt, war er 9 Jahre lang ihrLehrling, bisdie Einsicht, getäuscht zu sein, ihn an aller Wahrheit verzweifeln ließ.Das Eingehn in neuplatonische Philosophie schloß ihm ein neues Lebenauf. Er war als Lehrer der Beredtsamkeit 383 nach Rom, 385 nachMailand gekommen, und fuhr fort dem sinnlichen Vergnügen zu huldigen.Er horte den Ambrosius als Redner, durch die Erinnerungen seiner Kind-heit veranlaßt die platonische Weisheit mit dem Evangelium zu verglei-chen. Da entwickelte sich vornehmlich durch die paulinischeu Briefe einKampfin ihm zwischen dem Zeitlichen und Ewigen, dessen Ausgang durchdie Thränen und Gebete seiner Mutter gefördert wurde. In einem plötz-lichen Durchbrüche seiner Gefühle sah er das Wunder seiner Bekehrung,wurde in der Osternacht 387 zugleich mit seinem Sohne von Ambrosiusgetauft, gab sein Rhetoramt auf und zog sich in seine Vaterstadt untereinen Kreis andächtiger Genossen von der Welt zurück. biserinHippoRegius sBona) 391 zum Presbyter, 395zumMitbischofgeweiht wurde.SeitdemgingseinLeben in derKirche auf unddieafrikanischeKirchewucdedurch die Macht seines Geistes regiert. Sein Einfluß hatte sich über dasAbendland, sein Ruhm über die ganze Kirche verbreitet, als er in seinerStadt, von den Vandalen belagert, unter Bußpsalme» starb. — Seineältern meist Verlornen Schriften gehören der Rhetorik und Philosophie.Seine theologischen Werke, erbauliche, dogmatische und vorzugsweiseStreitschriften, sind weitschweifig, voll Wiederholungen, die AuslegungderH. Schrift ohnegelehrteSprachkenntnißund ohne historische Genauig-keit:^) aber sie enthalten einen unabsehbaren Reichthum des geistigenLebens, eine tiefe Kenntniß des menschlichen Herzens und in feurigenZungen eine alles beherrschende Liebe zu Gott. Nie hat er sich vor einemGedanken gescheut, und das Freisinnigste, wie, wenn es die Konsequenzseiner Behauptung forderte, das Furchtbarste der Geistesfreiheit hat erunbefangen ausgesprochen. In seinen Confessionen sum 400) alsin einer Beichte vor Gott hat er mit der stolzen Selbstverleugnung einesHeiligen sich und was er gewesen in geistiger Nacktheit hingestellt?) SeineRetractationen sum 429) enthalten zwar eine strenge Selbstrecen-sion seiner Schriften, haben jedoch auch den Zweck dasjenige zu löschenoder zu mildern, was in seinen frühern Schriften auf Seiten der Pela-gianer stand. Er hatte in den Streitschriften gegen die Manichäer dieFreiheit und Güte des Willens hervorgehoben. Durch das Bedürfnißdes rastlos Suchenden und im Streite gegen die Donatisten war die Ideeder Kirche als alleiniger Quell aller Wahrheit und alles Heils in ihmherrschend geworden. In sein eignes Leben war der Gegensatz von Sündeund Gnade aufs schärfste gefallen, und eine erhabene Frömmigkeit gefiel
a) 2. lltausou, XuZrrstinrrs 8. 8er. intöixrss. Hakn. 828. bj doirke-sroiruirrI. XIII. sä. HoauLsi, Der. 823. Lruäer, I-xs. 837. skusexj Oxon. 838. Nach d. Oxf.Ausg. hrsg. u. «läut. v. K. Räumer, Erl. 85k. Als großartiges Erdauungsbuch über-setzt in die Sprachen Europas.