Buch 
Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
Entstehung
Seite
209
JPEG-Download
 

Cap. I. Papstthum. §. 154. Pseudo-Jsidor.

209

Reichstag zu Chiersy j857)) wahrscheinlich, ihre bestimmte, das Jahr vor-her ihm noch unbekannte Sammlung gebraucht 864 Nicolausl. WieHandschriften nur der päpstlichen Briefe, andre mit den Canones der Con-cilien sich erhalten haben, so kann auch später sich noch manches angesetzthaben. Die Verdachtsgründe über den Verfasser schwanken, vieles deutetauffränkischen, manches gegen römischen Ursprung.°) Die Kunst der Dich'tung war nicht größer, als jene Zeit sie hergab und bedurfte. Seit demI4.JHH. argwohnten einige GegnerdesPapstthums den Betrug, die Pro-testanten erwiesen ihn aus dem Dionysischen Codex, aus der immer gleichenbarbarischenLatinität des 9.JHH., aus der Anführung späterer Gesetze undaus unzähligen Anachronismen/) Nach kurzem Widerstreben beschränktensich die Päpstlichen darauf, des Betrugs Arglosigkeit und Wirkungslofig-keit zu behaupten. Wirklich ist in den falschen Decretalen wenig enthal-ten, das nicht schon irgendeinmal von einem Papste behauptet wordenwar. Allein was einmal durch besondre Gunst der Verhältnisse, bedin-gungsweise, unter vielfachem Widersprüche und neuerdings zugestandenoder usurpirt war. das wurde hier als ein sicheres, allgemein anerkanntesund göttliches Recht aus dem heiligen Munde des christlichen AlterthumsI verkündet. Ein verfälschtes Pergament ist keine Grundlage für eine welt-herrschende Macht -. aber weil Jfidor, was im Streben des Zeitalters lag,nur entschieden aussprach, dadurch die schwankende Rechtsansicht entschied,den Klerus und die Päpste selbst mit der sittlichen Kraft des Glaubens anihr gutes Recht erfüllte, denn die Menschen urtheilen lieber ausThatsachen,als aus Ideen über das Recht: so ist diese erlogene Vergangenheit aller-dings zur Weißagung und zum Stützpunkte der Zukunft geworden. DerZweck des Betrugs war die Freiheit der Kirche, welche derselbe Verfasserin einem frühern Entwürfe, oder ein Zeitgenosse in der seltsamsten Sym-pathie mit ihm nur durch Erschwerung von Anklagen gegen Bischöfe be-schirmen wollte/) die aber gegen die drohende Übermacht des Kaisers ein-zig durch ihre Vereinigung unter einem Haupte gesichert erschien. Fürsich selbst kann derjenige, der die ganze Welt und Kirche zu täuschen wagte,nicht leicht etwas gewollt haben.

e) Conjectur: Äeioulus als gleich mit Keäeinxlus. ck) Leuten. ltlLZäsliuiK. 1?. II.e. 7. I. III. e. 7. slnriiauns, aäv. Angel. 6 ent. xio enun. nxx. etexx. eleeietn-lidus koutt. npx>. kni. 573. 4.) Dnv. Plonäol, k 8 euso-Isi<l. et 'Nur. vnxulnntes.6611 . ,628) 634. 4. e) Wühler, aus u. ü. P. Jsid. sTüb. Quartals. 82S. H. 3.832. H. I. u. Venn. Schrr. B. I.) L. Aohhirt, kirchenrechtl. Quellen u. Pscudois. Decr.Heidlb. 849. Laiabsttr ) 8 nßgio eilt. soxrn In stoiin cli Plsuii. Korn. 781.) hatnochgewagt, die Fälschung zu bezweifeln. Die Briefe d. Päpste 67 bis 596, übrs. m. Anm.o. Wemlowsky, Kempt. 875. skseucko-Isiel. rsäivivus.) Onpitnla. Lngilinmni!Unnsi 7. XII. x. 904. Linsodins snt. L,. Nach einigen Lää. von Angilram, Bischofvon Metz. Erzcapellan Karls d. G. dem Papste Hadrian, nach andern von diesem demAngilram 785 übergebene Gesetzsammlung über das Verfahren gegen Bischöfe. FiirAcht-heit: ttasterschlelien, Beitrr. z. Gesch. d. falschen Decretal. Brsl. 844. Dgg. Rtttberg,KGesch.Deutsch!. B. I. S. 561, 648.

Kirchmgeschjchte. 16. Aufl.

14