Cap. I. Papstthum, tz. 155. Päpstin. tz. 156. Nikolaus!. 211
NicolausI, ein Vertheidiger des Volks, den Guten mild, den Bö-sen ein zürnender Elias, hat den Gedanken, sich mit einer Rathsversamm-lung von sachkundigen Bischöfen aus allen Nationen zu umgeben, zwarnicht verwirklicht, aber die Gunst der Zeit erkennend, erhob er die Privi-legien des apostolischen Stuhls als Schutzwehren der ganzen Kirche undals Waffen wider jede Gewaltthätigkeit unter dem Beifalle der Völker,indem er ein Rächer der unterdrückten Unschuld für die Heiligkeit der Eheeinem wollüstigen Könige mit seinen knechtischen Bischöfen, und ein Ver-treter der bischöflichen Rechte einem gewaltthätigen Erzbischof entgegen-trat.^) Der König Lotharll mußte sich demüthigen, weil feindseligeFürsten seines Stammes bereit waren, dieDrohungen des Papstes zu voll-zieh». und gegen Hinkmar von Rh eims ließen die fränkischen Bischöfesich die erste Anwendung Verfälschen Decretalen gefallen, weil ihnen vor-theilhaster schien, dem fernen Papste, als dem nahedrohenden Metropo-liten zu gehorchen. Er hatdoch sein oberherrliches Recht aufetwas Höheresgegründet, obwol man in Rom noch für leicht möglich hielt, daß die päpst-lichen Beschlüsse durch eine Synode in Frankreich cassirt würden?) AlsHadrianII ohne die Gunst der politischen Verhältnisse nach Lothars Todes869s das Recht seines Erben gegen Karl den Kahlen und LudwigdenD eutsch en vertheidigen, und den entsetzten Bischof Hinkmar vonLaon, den auch des Königs Zorn verfolgte, gegen seinen Oheim Hink-ma r von Rh eim s schützen wollte, gab dieser ihm zu hören, was man inFrankreich rede vom Unterschiede geistlicher und weltlicher Gewalt, von derStörung des öffentlichen Friedens durch den Papst, von der Bischöfe altenGerechtsamen; und der Papst hielt für nöthig, die Verletzungen der frän-kischen Nation mit dem Öle seiner Nachgiebigkeit und heiligen Liebe zu sal-ben, welche immer festgestanden habe, wenn auch härter klingende Briefeihm in seiner Schwachheit abgedrungen oder auf seinen Namen erdichtetworden seien?) Indem Johann VIII als nach einer göttlichen Offen-barung Karl den Kahlen gegen die Erbansprüche des deutschen Königthumszum Kaiser krönte s875), und seine Sache mit allen geistlichen Drohungenempfahl, wurde feierlich ausgesprochen, das Kaiserthum werde aufdie Für-bitte der Apostel Petrus und Paulus durch ihren Stellvertreter verliehn.Der Kaiser setzte durch, was seiner politischen Absicht entsprach, daß derErzbischof Ansegisusvon Sens als Primas und päpstlicher Vicar überGallien und Germanien von den französischen Bischöfen anerkannt wurde,die doch unter Hinkmars Führung dabei verharrten, dem h. Vater nurunter Vorbehalt der Rechte eines jeden Metropoliten und gemäß denKir-chengesetzen zu gehorchen?) Der Kaiser gestattete die Synodalbeschlüsse
a) h. Lämmer, Nik. I. Br!. 857. Iklsl, äs Xie. kaxL. LrLUNsb. 859. 5)Lim-stas. sä Xäoaeiu Visnii. jUaiisi 1. XV. x. 453.) — L> Rosstsusvliör, äs kotkaäoLxiso. 8usssivi>ensi. slarb. 845. 2?AK. e) gillom. »ä jOxx. 1. II.x. 889.)2s.äi> aä 6sr. 6»tv. fULLSl I'. XV. x. 857.) ch 6ouo. koLtlZoasims s.. 876. 3Mvm>äs)urs Ustroxol. jOxx. IV II. x. 719.) Liiivm. Ximsl. Man. 6srw. 1.1. x. 499.)
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