678 Neue Kirchengesch. 6. Per. I. 1648—1877.
gewandtheit in der wohlgefälligen Unterscheidung seiner persönlichen Ge-brechlichkeit von dem Amte des gotkartigen Statthalters und in der nai-ven Zuversicht auf den Triumph seiner Kirche über alle feindselige Regie-rungen. zunächst aus die Wiederherstellung des Kirchenstaats, zahlreicheDeputationen und Pilgerscharen segnend und fluchend zu empfangen.")Er wird ein großes geschichtliches Andenken hinterlassen in Folge der Zeit-verhältnisse, die er durchlebt hat.")
§. 439. Die gallicarnsche Kirche.
1. Das Grundgesetz, mit welchem Lud w i gXVIUdas Land seiner Vä-ter betrat, erkannte den Katholicismus als Staatsreligion, versprach aberjedem Cultus den Schutz des Staats. Die Priester, die mit ihm kamen.Märtyrer der Revolution, in langer Abgeschiedenheit dem Volk und derZeit entfremdet, forderten den Lohn ihrer Treue, indem sie die Sicherungdes Throns und die Wiedergeburt Frankreichs verhießen. Eine Jugend,im Heidenthum der Revolution herangewachsen, bedurfte des Evange-liums. das Volk verlangte nach den Segnungen der Kirche, selbst der guteTon hielt Religionsspötterei für abgeschmackt, und de Lamartine,damals noch ein Ritter des Königthums, konnte durch die fromme Weh-muth seiner Harmonien ein Lieblingsdichter der höhern Gesellschaft wer-den.") De Lamennais vertheidigte die unbedingte Nothwendigkeiteiner unfehlbaren Kirche als der objectiv gewordenen göttlichen Vernunftgegen den Wahnsinn der individuellen Vernunft, setzte der Gleichgültig-keit seine Muth in Liebe und Haß entgegen, und vertheilte das theokra-tische Recht des Papstthums wie des Königthums nach mittelalterischemMaße?) Graf de Maistre sff 1821) erwies, daß dem Papst Unfehlbar-keit so nothwendig zukomme, als Souveränetät dem König, beides ohneEhrfurcht vor Rom zum Schutz der privilegirten Stände?) Aber der Kle-rus, statt Gegenwart und Vergangenheit zu versöhnen, machte den Zwie-spalt immer schroffer. Die religiöse Überspannung sah Constantins Kreuzwieder am Himmel und die Unduldsamkeit gründete unter dem NamenGottes ihr eignes Reich. Priester der Mission durchzogen mit Geprängedas Land, nicht nur für den Glauben, sondern gegen alles eifernd, wasFrankreich durch so ungeheure Opfer erkauft hatte?) Die alten Freiheits-gedanken der gallicanischen Kirche galten für ketzerisch, die Duldung desprotestantischen Gottesdienstes für atheistisch. Mit dem Thronerben und
n) viseorsi äst Loinino kantet. ki» IX, äst xrinoixio äelt» sna xiiZionia. Koma872 s. 2 r. Dgl. Eladstane, Reden Pius IX. Nördl. 878. 0 ) I., Issts, krolaes an
Oonatavs. kar. 877.
a) llsältations xost. kni. 82V. Ilarwonissxost. stiel. kni. 828. 2 'I. bjLssaisnr l'inäiüeiense en mutiere äs In ist. kar. 817 s. sä. 4. 822. 4 1. vs larel.äans sss raxxoits avso I'oräre xaliti^ns. kar. 825. sä. 3. 828. vss xrogiss äs Inrsv. st äe I» AUSIIS contrs I'egl. kar. 82S. 0 ) Da kaxe. k>DN 82V. L k. Frkf.
822. 2 B. Soiiees äs8t. kstsiskoniß. kar. 822. 2 1. 2. Glaser,Gr. 2°s. Maistre.Brl. 865. ch DieHier. u. ihre Bundesgen. in Fr. Aar. 823. Lonx-ä'osil snr tu Si-tuation aotnelle st les rrais intsröts äs I'sZI. Ir. kar. 825.