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Ueber Entwaldung und Hochwässer in ihrer Rückwirkung auf die Eisenbahnen : Vortrag gehalten im Club österr. Eisenbahn-Beamten am 1. Februar 1881 / von Karl Engelhard
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Auf meinen Reisen in den österreichischen Alpenländern habe ichwiederholt Bauernhöfe gesehen, die von ihren früheren Bewohnerngänzlich verlassen waren, weil ihre Felder und Wiesen unterGerolle und Steinblöcken begraben wurden. Aus den früherenvor Noth geschützten oder eines bescheidenen Wohlstandes sicherfreuenden Bewohnern sind mittlerweile Bettler geworden. Woman noch hochstämmigen Wald sieht, da ist viel seltener rationelleWaldwirthschaft, als der Umstand die Ursache hievon, weil es anbilliger Transport- und Verkaufsgelegenheit noch fehlt. Ist dieseeinmal vorhanden, dann wird auch da der schöne Wald niedergehauenwerden. In dem einst so waldreichen Böhmen ist es bereits soweit gekommen, dass viele Bauern das Land nicht mehr bebauenund lieber auswandern, weil der ausgetrocknete Boden kaummehr die Aussaat zurückgibt. Grossgrundbesitzer wie ein FürstSchwarzenberg und Andere sind eben nur eine ehrendeAusnahme von der Regel.

Dem Schicksale der zunehmenden Unfruchtbarkeit gehtauch das Marchfeld bei Wien entgegen, welche Gegendfrüher als der beste Weizenboden galt, und gerade wegen der un-mittelbaren Nähe der Grossstadt, wegen des hiedurch ermöglichtenleichten und lohnenden Absatzes der Bodenproducte, die üppigsteBodencultur aufweisen sollte. Um wie vieles waren uns in dieserHinsicht manche Regierungen des Alterthums voraus! Sie liessenes eine ihrer Haupt-Aufgaben sein, die Umgebung der Riesen-städte Babylon , Ninive , Rom undKarthago zu einem überschwänglichfruchtbaren Gartenlande zu machen. Man scheute keine Mühe undKosten, um die grossartigsten Bewässerungs-Anlagen zu schaffen,wodurch zugleich diese Grossstädte vor Ueberschwemmungen mitihrem anderen bösen Gefolge, wie: typhöse Krankheiten, Ver-schlechterung der Wohnungen, des Trinkwassers u. s. w. bewahrtblieben. Unsere so schöne, wenn auch noch nicht ausreichendgenügend ausgeführte Donauregulirung wird den erwartetenNutzen erst in vollem Masse bringen, wenn nebst ihrer Verlän-gerung nach auf- und abwärts auch die geplante Bewässerung desMarchfeldes durchgeführt sein wird.

Eine weitere Calamität der durch Entwaldungen und Ver-wahrlosung der Flüsse herbeigeführten Ueberschwemmungen istdas Entstehen von Sumpfgegenden, welche, wie wir es z. B. ander römischen Campagna sehen, mit der Zeit wahre Seuchenherde

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