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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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die Schwächling der Armee, welche die Folge jener Truppen-entsendungen nach Toscana gewesen wäre! Aber auch so bliebSuworoffs Heer dem überdies grösstentheils zersprengten und de-moralisisten der Franzosen bei weitem überlegen. Der wirklicheGrund seiner militärisch durchaus unerklärlichen Unthätigkeit wareben der, dass er den Oesterreichern Genua nicht gönnte. Undgleichzeitig suchte er nun den Hass der leitenden Staatsmänner inPetersburg gegen das Wiener Cabinet aufs neue wachzurufen. Mitdem Berichte über den Sieg bei Novi schickte er zugleich jenesSchreiben des Kaisers Franz an den Kaiser Paul, und an den GrafenRostoptscliin, den neuen Minister des Auswärtigen und spätem Brand-stifter von Moskau, einen schroffen Vertreter des russischen Hoch-muths, sandte er kurz nacheinander (1(5. u. 18. August, vgl. Mil. TH,p. 68 u. 69, Fuchs II, p. 44 u. 48) zwei Briefe, worin er wiederdie bittersten Klagen über Thugut und den Hofkriegsrath erhobund wieder von seiner Abberufung, ja von einer Zuflucht im Grabesprach. Solche Briefe mussten natürlich die Verstimmung der russi-schen Regierung gegen Thugut in hohem Masse steigern und daraufwaren sie auch berechnet.

Und nun trat eine Wendung ein, welche anscheinend einegedeihliche Kriegführung der Verbündeten nebeneinander erzielenkonnte und sollte, in Wirklichkeit aber in ihren Folgen zumBruche zwischen Oesterreich und Russland und zum Verlusteder in der Schweiz gewonnenen Stellungen führte. Am 22. Junihatten England und Russland einen Vertrag geschlossen, wornacheine englisch-russische Expedition in Holland unternommen werdensollte. Zugleich aber machte nun Lord Grenville dem Zaren einenVorschlag, der die Stellung der verbündeten Armeen von Grundaus änderte. Bereits hatte ein neues russisches Corps unter Korsa-koff die österreichische Grenze überschritten, welches in der Schweizkämpfen sollte, Grenville beantragte nun, die russischen Theile desitalienischen Heeres sollten auch in die Schweiz abgehen, sich mitden Truppen KorsakofFs vereinigen und unter der Führung Suwo-roff's die Feinde aus der Schweiz vertreiben und in Frankreich ein-fallen. Die Oesterreicher würden rechts im Obereisass unter demErzherzog, links unter Melas in Italien, resp. Savoyen den AngriffSuworoffs decken. Dadurch wurde der bisher durchaus nicht förder-lichen Verbindung russischer und österreichischer Truppentheile zu