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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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59
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aber liess am folgenden Tag seine Truppen theils die Liinmat beiVogelsang, theils bei Klingnau die Aar überschreiten. So hatteMassena seinen Zweck glänzend erreicht. Die Küssen waren in derFlanke gefasst und ihre Kückzugslinie, wenn nicht geradezu abge-schnitten, so doch aufs ernstlichste bedroht. Der französische Feld-herr aber hatte durchaus nicht die Absicht, den Feind, dessen ver-zweifelte Tapferkeit er zur Genüge kennen gelernt hatte, aufsäusserste zu treiben. Er schickte noch spät Abends einen Parla-mentär nach der Stadt, um Korsakoff aufzufordern, die Stadtdurch Capitulation zu übergeben. Korsakoff aber behielt ihnzurück, wie Meyer meint, um ihn die Verwirrung des russischenHeeres nicht sehen zu lassen. Dieser Grund scheint mir indessenkaum stichhaltig, denn es ist doch schon seit lange üblichgewesen, dass Parlamentäre mit verbundenen Augen ins feindlicheLager geführt werden. Wie Koch meint, war übrigens Massenaseiner Sache noch nicht ganz sicher und fürchtete, der Feind könneeinen Vorstoss gegen den Albis unternehmen, um Suworoft näherzu kommen. Nach derselben Quelle wäre ein zweiter Parlamentärmit Flintenschüssen empfangen worden. 1 ) Korsakoff aber und seineGenerale waren, wie Miliutin selbst bezeugt, ganz erschöpft undeinige, worunter wohl in erster Linie der Oberfeldherr zu verstehenist, hatten den Kopf verloren. Ob Korsakoff selbst von Anfang anfür den Rückzug gewesen sei oder ob er noch an Widerstand ge-dacht habe, ist imgewiss, wahrscheinlich wusste er selbst nicht, waser wollte. Sacken empfahl in dem Kriegsrath, der abgehalten wurde,die Vertlieidigung von Zürich. Indessen aber traf die Nachricht ein,dass die Verbündeten auch an der Lintli unglücklich gelochtenhatten. Auch dort hatten nämlich die Franzosen in derselben Nachtdie Lintli überschritten und der kühne Ilotze, der nur seine Truppenzu sehr zersplittert hatte, war, als er sich zu weit vorwagte, kurznach Beginn des Kampfes bei Scliännis (Ktn. St. Gallen) mit seinemGeneralstabschef Plunket erschossen worden. Dieser Umstand trugdann wesentlich zur Niederlage der Oesterreicher bei.

Der Antheil, welchen der Generalmajor Titoff, der mit einemrussischen Regimente in Rapperswil stand und nach Uznach zum

1 ) Nach Vivenot, der, wie er sagt, den Aufzeichnungen des österreichischenDiplomaten Freiherrn v. Wessenberg folgt, wäre ein Parlamentär sogar von be-trunkenen Russen ausgeplündert und tödtlich verwundet worden, (a. a. (). p. 18<S;.