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und Bernhardin die Wahl lässt. Auch Miliutin deutet an, ohne es freilichganz deutlich zu sagen, dass er dem Splügen den Vorzug gegeben hätte.
Wie stand es aber mit dem Gotthardweg, welchen Suworoffwirklich einschlug? In Taverne oder in Bellinzona (genau ist esnicht festzustellen) verfasste Suworoff eine Auseinandersetzung,welche die Wahl dieses Weges rechtfertigen sollte (Mil. IV, p. 210 ff.).Es ist darin auf die Nothwendigkeit verwiesen, den Feind in derrechten Flanke anzufallen, das könne aber nur durch den Marschüber den Gotthard geschehen, weil auf dem Wege durch Bündenzu viel Zeit verloren ginge. In Wirklichkeit aber gestaltete sichdie Sache vielmehr so, dass Suworoff weit mehr Zeit gebrauchenmusste, um entscheidend eingreifen zu können, als wenn er überChur gegangen wäre. Man kann sich ganz den scharfsinnigen Aus-führungen von Clause witz anschliessen, der wirklich das Fehlerhaftedes Planes schlagend nachweist und zwar, kurz zusammengefasst,etwa wie folgt. Suworoff’s Marsch sollte zugleich ein strategischerFlankenmarsch und ein Verbindungsmarsch sein, was an sich einWiderspruch ist; denn bei einem Verbindungsmarsch sollen sich diegetrennten Massen so schnell wie möglich vereinigen, bei einemFlankenangriff hingegen muss sich der eine Theil vom andern ent-fernen. Wenn aber Suworoff wirklich zu beiden Seiten des Vier-waldstättersees vorrückte, so entfernte er sich, da nach seinemAngriffsplan Luzern zum Zielpunkte genommen wurde (Mil. IV, Bei-lage 23, p. 20ß ff.), doch wieder vom Mittelpunkt der Operationenund die Vorstösse Hotze’s und Jellachich’s wurden erfolglos, wennMassena sie dann etwa in Finsiedeln mit Uebermaeht angriff. Daraufaber, dass die Verbündeten überall Erfolge erzielen würden, konnteer nicht rechnen, sondern er musste wenigstens theilweise Nach-theile als möglich in den Kreis seiner Berechnungen ziehen. Nachder positiven Seite hin war also das Resultat, wenn Suworoff nicht,etwa bei Schwyz die Marschrichtung änderte, sehr zweifelhaft, nachder negativen hin aber sehr bedenklich. Die Schwierigkeiten, die demMarsche entgegenstanden, waren ganz enorm.
Zunächst führte damals über den Gotthard nur ein schmaler,wenn auch ziemlich gut gangbarer Saumpfad 1 ). Suworoff musste
1 j Unter gewöhnlichen Verhältnissen war jedenfalls der Jlarsch über den (iott-hard weder schwierig, noch besonders mühsam. Nach Ebel (Anleitung die Schweizzu bereisen, 180-1) war die Strasse von Hospital nach Airolo 10—12 Fass breit und