Buch 
Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
Entstehung
Seite
197
JPEG-Download
 

197

schütterliche Tapferkeit und Ausdauer der russischen Soldaten leugnenzu wollen, wenn auch die Fähigkeit derselben, Beschwerden undEntbehrungen zu ertragen, seit den Tagen SuworofFs abgenommenzu haben scheint (vgl. Bernhardi I, p. 38). Man denke, ausser derschon erwähnten grossen Einhusse des Kutusoffschen Heeres imJahre 1812, besonders an die Ungeheuern Verluste der Bussen imKrimkrieg, zu welchem nicht die Kämpfe, sondern Krankheiten etc.das Hauptcontingent gestellt hatten. Aber da nun die Tapferkeitder Russen keinem Zweifel unterliegt, so muss eben die Ursachejenes überraschenden Ergebnisses in der fehlerhaften Taktik undnoch mehr in der unfähigen Führung gesucht werden. Und hierergibt sich dann noch ein weit bedenklicheres Resultat, wenn wirdie nationalrussischen Feldherrn den Angehörigen fremder Nationali-täten, Deutschrussen, Deutschen, Franzosen etc., gegenüberstellen.Wie viel Peter der Grosse seinen fremden Lehrmeistern verdankte,ist bekannt. Aber auch fernerhin, was wollen die wenigen russischenAnführer, die in europäischen Kriegen hervortreten, und sich meistensdurch ihre Unfähigkeit oder Unentschlossenheit blamirten, gegenüberder Menge von Feldherrn anderer Nationalitäten bedeuten, die russischeHeere geführt und von denen wenigstens einzelne doch bedeutendesgeleistet haben! Die Apraxin, Fermor, Soltikoff, Rumänzoff, Repnin,Potemkin, Korsakoff, Kutusoff, Paskjewitsch, Menschikoff, Gortscha-koff, Skobeleff und Gurko (welch letztere sich nur gegen die Türkenerprobt) gegenüber den Deutschen oder Deutsohrussen Münnich, Fer-sen, Bennigsen, Buxhöwden, Knorring, Barclay de Tolly, Toll (dem dasmeiste dessen zu verdanken war, was unter Kutusoff lobenswerthes ge-schah), Wittgenstein, Diebitsch (ein Schlesier, der im Berliner Kadetten-hause vorgebildet war), Sacken, Tettenborn, dem Prinzen v. Würtem-berg und endlich Todleben, dem Meister von Sebastopol und Plewna a ),dann den Franzosen Langeron nnd St. Priest, dem Georgier Bagrationund dem Armenier Loris-Melikoff. Paskjewitsch, wohl der tüchtigsteunter den nationalrussischen Heerführern dieses Jahrhunderts, hatteim wesentlichen doch nur mit Orientalen zu kämpfen. Im Jahre1831 war in Polen die Hauptsache gethan, als er ankam, und auchihm stand übrigens wieder Toll als Generalstabschef zur Seite. Suwo-

Auch einige der hervorragendsten Staatsmänner Kusslands in diesem Jahr-hundert, Nesselrode, Kapodistrias lind Giers sind ursprünglich fremder Herkunft.