Buch 
12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
Entstehung
Seite
63
JPEG-Download
 

goldnen Zeiten.

63

Menschen wollen nicht immer gern von andernbelehrt:, geschweige zurechtgewiesen seyn; sie wollensich duirch Vorhaltung der Sache selbst belehren. Die«thut die Fabel. In ihr wird eine Handlungdargestellt, die durch sich redet; sage jeder sodanndie Lelhre sich laut oder still in der Seele.

Ulnd wer könnte uns zu diesem Zweck gewissereLehren geben, als die Natur? Ihr Gang ist fest,ihre Gesetze sind beständig. Die (Zypresse und Ce-der, der PalmbtIUM und Ysop, was sie vor Jahr-tausenden waren, sind sie noch. Auch die Wirkungder Elemente aus sie hat sich nicht verändert. DerWolf, der Fuchs, der Tiger sind gleichfalls, was siewaren und werden es bleiben. Die Haushal-tung der Natur geht fort nach ewigen Gesetzen,in unveränderlichen Charakteren.

Und an ihr hat sich der menschliche Verstand,ja die Vernunft selbst zur Regel gebildet.Ginge es in der Schöpfung wie in einem Tollhausedurcheinander, daß Alles heut so, morgen anderswäre, daß kein Band der Ursachen undWirkungen, keine Eonsequenz der Bege-benheiten stattfände: so fände auch keine mensch-liche Vernunft statt; an sie wäre nicht zu gedenken.Daß uns aber allenthalben, unter allen Veränderun-gen, Bestandheit, Ordnung, Folge derDinge vor- und einleuchtet, daß die Veränderun-gen selbst erkennbaren Gesetzen und Re-geln unterworfen sind, und der Mensch, das hülfs-bedürftige Geschöpf, von allen Seiten getrieben ward,diese Gesetze auszuspähen, dieser Ordnung, wenn ernicht unterliegen wollte, zu folgen; dieser schöne