^62 Früchte aus den sogenannt-
nicht aber bey Vorstellung einer Verknüpfung vonLeidenschaften, die unter dem Äuge desSchicksals vergeh n und die seine Handleitet. Fürchtet Ihr nicht, die ernste und strengeGöttin zu erzürnen, mit der Ihr falsch und niedrigspielet? Beraubt Ihr Euch nicht selbst des reinstenMaaßes der Vernunft und des Verstandes, des Rechtsund Unrechts, des Glücksrad Unglücks, wenn Ihrdiese Namen in einen Loostopf der Convention,als Modenamen werfet? Glaubt Ihr im Ernst,daß die große Lenkerin der Begebenheiten, die Richkerinmenschlicher Charaktere, nach der Schminke, die IhrEuren Larven anstreicht, messe, richte, und ihrenGang nehme? Ihr belustigt euch also, wie die Si-nesen, an Fcatzenbildern, mit dem süßen Wahn, sieseyen das reine Urbild der Menschheit, weil sie Con,vention Eures Geschmacks" sind? und seyd,wie die Sinesen, das einzige Kunstvolk der Erde.Denn das hat der falsche Geschmack, so wie die U ri-nn tu r an sich, daß wenn sie zur Gewohnheit wur-den, sie die verkrüppelte Natur höchst-ungern verlas-sen, die Einmal sich in ihre Schnürbrust zwang.Frey von dieser siele sie ja gar in einander.
Das griechische und englische Theater ging inAbsicht der Kalis st nokls zwssion einen strengerenWeg. Melpomene schonte ehrsüchtiger Tyrannen nicht,noch weniger fröhnte sie und wollte ihren Unsinn ver-kleiden. Der Attiden Unglück zeigt sie bey allemGlanz ihrer Herrschaft; mit dem Diadem ist es denharten Königßstirnen dieses Hauses eingeprägt, bis >n