Z96 Homer und Ossiair.
„Durch eben diese Gesänge strömt ein zarter«eicher Laut tief empfundener Rührung, der dieSeele zu herzlichen Gefühlen ünd Liebe stimmt.Auch vernimmt man wehmüthige Klagen und Jam-mertöne um verlerne Geliebten und Freunde: undsolche Sänger findet man nicht blos unter Vorneh-men, sondern unter der niedrigsten Vvlksklaffe. Darinübertreffen sie alle alten englischen und schottischen,bis jetzt bekannt gewordene, Lieder: so vielen undverdienten Beyfall diese auch bey wahren Kennerndes Gesanges gefunden haben. Wäre die GallischeSprache bekannt genug, die Meisterstücke ihrer Ton-kunst würden allen Schaubühnen, wo Geschmack undAnmuth herrscht, zur Zierde und Bewunderung, ge-reichen."'
»Ihre Luinneags, und der Einklang allerhineinfallenden Stimmen, sind dem Ohr unaussprech-kich angenehm. Auch das Auge wird beschäftigt,wenn man sie im Kreise stehn und Hand und Tuchbewegen sieht. Sing- und Instrumental-Musik sindihre gesellschaftliche Unterhaltung. An Geschicklichkeitim Tanz übertreffen sie wahrscheinlich alle andre Völ-kerschaften."
„Die gemeinen Leute sind wundernswürdig schnellin ihren Begriffen. Weiber werden so gute Weberals Männer. Sie lernen diese Kunst in wenig Mo-naten. Dabey singen sie herzhaft ihre Jorramsund Luinneaqs. Eine macht die Hauptstimme,die andern den Ehor, der nach jedem Gesetz des Lie-des zwey - oder dreymal wiederholt wird. Der süßeLaut ihrer Lieder zieht gewöhnlich eine Menge Zu-'Hörer herbey, welche mit in den Ehor fallen."