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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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540
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Nachlese

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tigkeit, Wohlwollen (okiurity) haben, so habtihr Ungeheuer, unfähig zur menschlichen Gesellschaft.

Den meisten Menschen fehlt Zeit, Gelegenheit,und Fähigkeit, Conclusionen aus ihren Prinzipien zuziehen, und Moralität auf menschliches Wissen zugründen. Allerdings ist Rom. r, 20. wahr, aberdies wird nur von denen gesehen, die ihre Augenöffnen, und diese Dinge genau sehen. Durch dieganze Welt hin sind nur wmige solche genaue Beob-achter und Forscher, wenige, die sichs zum Geschäftmachen, Meynungen zu zergliedern, und sie bis zuihrer Quelle zu verfolgen; zu untersuchen, woherWahrheiten entspringen, und wie sie sich aus einan-der entwickeln. Kurz, alle Menschen sind voll Lpi-nionen, Wissenschaft ist in Wenigen.

Die Menge können keine Philosophen seyn,d. i. Dinge in ihren Ursachen einsehen. Allenthalbensehen wir, daß alle Geschäftsleute nach Regeln undSchlüssen handeln, deren Theorie sie nicht ergründen,z. B. Gründe der Geometrie und Arithmetik. Soauch in Moral, Politik und Religion. FrühgefaßteRegeln, nicht Qpinioncn, bringen die besten Effektehervor. — Man sehe ringsum sich.

Der Unterschied zwischen Vorurtheilen und an-dern Meynungen, besteht nicht darinnen, daß jenefalsch sind, diese wahr; sondern daß jene auf Treuund Glauben angenommen, diese durch vernünftigeUeberlegung erlangt sind. Wer die Unsterblichkeit derSeele auf Glauben annimmt, hat eine eben so wahreNotion, als der sich in diese Meynung raisonnirt hat.