64 l. Begebenheiten und Charaktere
Sprache mit fremden Wörtern, die ihnen fehlten.Sie hatten z. B. kein Wort für die Philoso-phie, die in Rom spat aufkam. Als sie Griechischlernten, borgten sie daher Worte, um über Wissen-schaften zu raisonniren. Cicero, so besorgt er umdie Reinheit der lateinischen Sprache war, bedientsich, wenn er sie nöthig hat, griechischer Worte, mitaller Freyheit. Anfangs ließ man das griechischeWort als einen Fremdling ein; man bat um dieErlaubniß, sich seiner bedienen zu dürfen; baldwurde die Erlaubniß Besitz und Recht."
„Ich höre, daß die Engländer kein Wort fürunerlaubt halten, das ihnen bequem ist. Sie neh-men von ihren Nachbarn Worte, wo sie sie finden.Dergleichen Besitznehmungen sind erlaubt. Blosdurch den Gebrauch wird hier alles gemeinsam.Worte sind nur Schalle, die man willkührlich zuZeichen der Gedanken macht. An sich selbst habendiese Schalle keinen Werth; sie gehören dem, dersie borgt und dem sie abgeborgt werden. Was liegtdaran, ob ein Wort in unserm Lande geboren seyoder aus der Fremde zu uns komme? Eine Eifer-sucht wäre hier kindisch, wo es auf nichts ankommt,als auf eine Art die Lippen zu bewegen und die Luftanzustoßen."
„Auch in Ansehung der Ehre haben wir hiernichts zu schvmm. Unsre Sprache ist ein Gemischvon Griechisch, Latein, Deutsch, mit einigen Galli-schen Resten. Da wir nur von diesem Anleih, dasunser Stammgut worden ist, leben; wozu dienteeine falsche Schaam, mehr zu borgen, um unsju bereichern L Don allen Seiten laßt uns nehmen,
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