Band 
Adrastea I.
Seite
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des vergangenen Jahrhunderts. 71

wird man dieser Enge satt; die Persönlichkeit gehetvorüber. Corneille hatte seinen Geschmack, ro-mantisch wie er war, selbst gebildet; Racine, mitweicherem Herzen und feinerem Studium, bildeteihn, zumal in den letzten Jahren, dem Hofe, derMaintenon gefällig zu. Und wie beschrankt warMoliere selbst auf dem Hofthcater! Er hingam Wort, am bedeutenden Stillschweigen des Kö-niges; seine lustigeren Stücke waren für die Pro-vinzen. Die zartesten Stellen Quinaults bedau-rct man oft, daß sie neben dem übermäßigen Lobestehen, das Ludwig indeß selbst mit- und nachsang.Daher die beschränkte Derenz der FranzösischenBühne; daher, daß bey den größten Talenten derMeister, bey unzählich - Schönem im Einzelnen siesich fast in keiner Kunstart zur hohen Reinheitdes griechischen Genius erheben durste: denndieser kennet das Hof-Etiquette nicht. Diewahre Kunst ist nicht eitel. Nicht der äußern Wir-kung wegen stehet sie da, vielweniger zu einer flüch-tigen Parasiten-Wirkung. Ihr Gesetz des Wahren,Guten und Schonen hat sie in sich und muß es fürsich strenge vollenden. Außer den Fesseln der Versi-sikation und Sprache unterscheidet sich der Französi-sche Ausdruck also am meisten dadurch von der Kunstder Asten, daß er fast immer zu sehr auf äussereaugenblickliche Wirkung gestellt ist, seltenglso der Eitelkeit ganz entsaget.

Durchaus aber nicht, daß man hiemit die Vor-züge der Französischen Kultur verkennen oder ver-kleinern wolle. Allerdings war in den schöneren Ta-gen der Regierung Ludwigs sein und seines Hofes