I. Begebenheiten und Charaktere
So bey Darstellungen der Leidenschaft oder desCharakters in lebendigen Menschen. Denreinen Ausdruck der höchsten Schauspielkunst müssen,selbst ohne das Verständniß der Sprache, Griechen,-Römer, Franzosen, Italiener, der Wilde selbst, je-der in seinem Maas, empfinden, um so gewisserempfinden, je mehr der Ausdruck von allem Falschenoder Willkührlichen frey ist.
Verwickelter wird das Problem bey der Mäh.lerey, weil bey ihr Regeln sehr verschiedner Artzusammentreffen und sie auf Täuschung beruhet.In Ansehung der Farben sowohl als der Zusammen-ordnung der Figuren, noch mehr in Betreff derHaltung des ganzen Gemähldes müssen die Urtheileso verschieden seyn, als verschieden die Organe, dieGewohnheiten zu sehen und zu bemerken, d. i. einsichtlich - Ganzes zusammenzufassen und zu ordnen,seyn mögen. Da aber endlich doch Licht und Far-ben sowohl als das menschliche Auge und der Ver-stand allen Sehenden gemein sind, oder als ihnengemeinsam vorausgesetzt werden: so müssen sich, beyfesten Regeln der Kunst, d. i. des organischenVerstandes, die verschiedensten Urtheile zuletztverständigen und vereinen. Sie vereinen sich um soleichter, je mehr man Vorurtheile vermeidet und dieKunstaufgabe simplisiziret. Ueber eine Zeichnungz. B. wird man eher einig, als über ein Gemählde,über das Bestimmte in der Mahlerey leichter, alsüber das Unbestimmte, das vielleicht vom persön-lichen, flüchtigen Geschmack abhängt, le BrunsGemählde muß Apelles so gut beurtheilen kön-nen, als de Piles über Raphael urtheilet. Wo