Band 
Adrastea I.
Seite
97
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des vergangenen Jahrhunderts. 97

Jeder siehet, daß der problematische, oftparadoxe Geist Bayle's nur ein Ueber-gang sey, vielleicht auch nur seyn wollte. Wodas Beste neben dem Schlechtem, das Scharfsinnig-ste neben dem Seichten steht, muß der Leser unter-scheiden können, oder er genießt mit Gutem Schlech-tes. Wenn also Bayle gewiß auch Schaden gestif-tet, wenn er, zumal unter den Großen, eine Gleich-gültigkeit gegen das Wahre und Falsche, jeneHalbphilosophie, die an festen Grundsätzenverzweifelt, weil sie solche nicht gesucht hat, endlichgar jene taumelnde Zweifel sucht genährt hat,die bey wirkenden Personen sehr schädlich werdenkann, so liegt die Schuld immer doch nur halb anihm. Schon Pilatus frug: „Was ist Wahr-heit?" indeß er sich wegwandte ohne die Antwortzu erwarten; und Pftalus lebte lange vor Bayle.

Die harten Vorwürfe, die Bayle'n gemachtwurden und die er größtentheils nicht verdiente: „ersey ein Sitkenverdcrbcr, ein Atheist, ein Spötteralles Guten und Edeln," sogar daß eine Sekte, dieanAllem zweifelt, nach ihm benannt wardwas lehret uns dies? „Treibe«Niemand mit derWahrheit Scherz, und wolle mit ihr auf halbemWege spielen! Sie will ganz gesucht, innig geliebtseyn, oder sie rächt sich." Das Unrecht, das

*) Von Crousatz großem Folianten gegen Baylehaben wir Deutsche einen Auszug, von Halleraus Fo r m e' s Französischem übersetzt und mitseiner Vorrede begleitet, Prüfung derSec-te, die an Allem zweifelt. GörtingenLeider aber ist Hallers Vorrede zu kräftig,Herders Werke;. Phil. u.Gesch. IX. G l.