des vergangenen Jahrhunderts. 109
G e l eh r t h e i t ist stets schön, nicht immer gut:i Gut ist sie, wenn sie Gutem Vorschub thut;
Ihr höchster Ruhm hängt am gemeinen Nutzen.
Was blos ergötzt, laß für die Schwachen stehn.
Ist an sich selbst gleich jede Wahrheit schön;
Ein Tänzer nur mag sich beständig putzen.
r Gebrauchen, die des Haufens Eitelkeit^ Sich nöthig macht, entziehe Kraft und Zeit;
! Wen könnte doch sein roher Tadel schänden?
Sein stärkstes Lob ist viel zu mangelhaft;
Des Menschen Zeit und seine LebenskraftSind zu gering', um sie noch zu verschwenden.
Dir selbst geneigt, sey dem Gewissen treu,
Den Obern hold, doch ohne Schmeicheley, ^
Und lobest du, so sey's nie unbedachtlich;
Sey hold der Kunst, noch mehr des Weisen Freund,Dem Laster gram, sonst keines Menschen Feind,
. Nur sey dir Der, der Wahrheit drückt, verächtlich.
Verachte selbst des Frevlers Raunen nicht;Doch wo dein Herz für deine Thaten spricht,
Da werde nie dem Neide niederträchtig.
Die Menschheit ist noch nicht so gut bestellt,
Daß acht Verdienst auch allgemein gefallt;
Was Jeder rühmt, ist allemal verdächtig.
Wer meist gesund, bey Armuth nicht im Bann,Sich selbst besitzt und Narren dulden kann,
Ist so beglückt, als Menschen werden können.
Wer Weisheit rühmt und gleichwohl mehr begehrt,Ist ihr noch fremd' und ihrer auch nicht werth.
Wer wird bey Brod den Thieren Spreu mißgönnen?