Band 
Adrastea I.
Seite
116
JPEG-Download
 

ic6 I. Begebenheiten und Charaktere

wohl als von blinder Vorsicht beseelt, weil sie eineeingeschränkte Kirche waren; in dem Allen waren sieder herrschenden Kirche sittliches Vorbild.Nehmt diesem Gewölbe sein Gegengewicht; es tragtsich meist mehr; es sinkt und sinkt, bis der Sturzfolget *).

Der Sturz ist erfolgt am Ende des Jahrhun-derts: denn das ganze Säkulum hindurch sank dieFranzösische Klerisey tiefer und tiefer. Sie hattekein Gegengewicht, keine Vor- und Miteiferer, dieihr das wahre Ziel der Geistlichkeit, dir Seelenpflegeder Nation, mit protestantischem Blick und Muthvor die Stirn rückte. Die refvrmirte Geistlichkeit,mit dem sogenannten dritten Stande oder vielmehrmit beyden Eins, konnte sich nie als den erstenStand des Reichs geberden; vielmehr seit sie vomzweyte» Stande, der nach Ehren- und Hofämternstrebte, immer mehr verlassen ward und keine Hein-richs, keine Coligny's sich zu ihr bekannten,schlang sie sich an den dritten Stand fester. Dage-gen schlummerte unter und auf seinen Bischofshütender hohe Französische Klerus unter schwachen Regie-rungen ein Jahrhundert hin sorglos, mehrte Decenz,Laster und Schulden, bis die gemeinsame Meynung,die er so lange grausam - albern unterdrücken wollen,laut gegen ihn ausbrach. Zum Widerstände fandsie ihn (ohngeachtet es da und dort wackre Geistlichegab) unfähig, von Ruhe erschlafft, in Anstand undUeppigkeit versunken. Weder schreiben noch sprechenkonnten sie mehr, wie es jetzt erfordert ward; ein

*) Rom als Karthago siel.

M.