Briefe zu Beförderung-
sen Sie uns ja zum Begriff der Humanität beiGriechen und Römern übergehen: denn bei diesembarbarischen Menschenrccht wird uns angst undbange.
26.
Das Hauptgut wollen wir ja nicht vergessen,das uns die tiefere Betrachtung der Menschennaturfür alle Zeiten erworben hat; es ist die Erkennt-niß unsrer Kräfte und Anlagen, unsresBerufes und unsrer Pflicht. Eben indem, wodurch der Mensch von Thieren sich unter-scheidet, liegt sein Charakter, sein Adel, seine Be-stimmung; er kann sich davon so wenig als vonder Menschheit selbst lossagen. Dies ist das wahrestuäium siurnanitstis, in welchem uns Griechenund Römer vortrefflich vorgegangen sind; Schande,wenn wir ihnen nachbleiben wollten!
Der Mensch hat einen Willen, er ist des Ge-setzes fähig: seine Vernunft ist ihm Gesetz. Einheiliges, unverbrüchliches Gesetz, dem er sich nie ent-ziehen darf, dem er sich nie entziehen soll. Er istnicht etwa nur ein mechanisches Glied der Natur-kette; sondern der Geist, der die Natur beherrscht,ist Theilweise in ihm. Jener soll er folgen; dieDinge um ihn her/ insonderheit seine eigne Hand-lungen soll er dem allgemeinen Principium der Weltgemäß anordnen. Hierin ist er keinem Zwange un-terworfen, ja er ist keines Zwanges fähig. Er con-fiituiret sich selbst; er constituirt mit andern ihm