der H uma nität.
nicht verbergen, daß seine Neigungen und sein Be-tragen äst etwas Niedriges an sich hatten, das ersich, wenigstens in seinen Konfessionen, in denen erdoch der Richter sein selbst werden mußte, nicht sogar leicht hakte verzeihen sollen. Ein Gleiches istsmit der großen Schwachheit seines Herzens für Wol-lust und Liebe. Die Anlage dazu, so wie zu man-chem andern Fehler lag gxwiß mit in seinem kränk-lichen Körper; und da er bey seiner erhöheten Ein-bildungskräfte nach dem ganzen Gange feines Lebensdiese Leidenschaft gleichsam nie abbüßen konnte, undsie also als «inen unbefriedigten Reitz immerhinnährte: fo kann man, wie ich glaube, die jugendlicheLiebhaberei, die nachschmeckende Gefälligkeit, mit derer auch in seinem Alter Scenen dieser Act darstelltund ausmahlet, abermals mit nichts, als der Krank-heit selbst entschuldigen, die bei Wiederholung solcherErinnerungen feine unbefriedigten falschen Reize ge-wissermaßen noch befriedigend täuschte. Auf andreArt kann ich mir bei einem ernsten alten Mann, derüber sich selbst nachdenkt, indem er sein Leben be-schreibet, geschweige bei einem beredten Verehrer desWorts Tugend dergleichen Juvenilität nicht er-klären. Ohne also der Posaune des letzten Gerichtesin den Ton fallen zu wollen, wage ichs immer zusagen, daß es allerdings Menschen geben werde, de-nen so wie Nousseau's Gaben und Subli'mitäken,auch manche feiner Niedrigkeiten ganz fremd, ja mo-ralisch-unmöglich seyn dürsten, ohne daß sie deßwe-gen besser als Rousseau seyn wollten, dem nun ein-mal dieser reizbare Körper, dieser verirrte Gang sei-nes Lebens zu Theil ward. Gegen feine Fein-de , wie der kranke Mann sie sich dachte, mag,er