Briefe zu Beförderung
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Am meisten interefstren mich die Nachrichten,wie fremde Nationen uns anfehcn, was sie vonunserer Cultur und Religion, von unsern Sittenund Gebräuchen denken. Da kommen, bei dengrößesten Dummheiten, Naivitäten zum Vorschein,die nicht tretender seyn könnten. Der fromme Ein-fall eines^ Wilden, die Absurdität eines Negers, dieSimplicität eines Ost- oder Westindiers sagt oftmehr als große Deduktionen und Beweise.
Wenn wir in gewissen Sitten und Borstellungs-arten alt und grau geworden, folglich mit ihnen soverwachsen sind, daß wir sie der Menschheit we-sentlich , von ihr also ganz unabtrennbar glauben:wie oft bin ich sehr heilsam betroffen und beschämtworden, wenn ich fand, daß einige Grade weiterhivcmf oder hinab ganze Völker von diesen Vorstel-lungsarten und Sitten nichts wissen, nichts je ge-wußt haben, oft die ganz entgegengesetzten eben sotheuer und werth hallen; und doch sich dabei leid-lich wohl und so gemächlich befinden, als es derKirchliche Leim, aus dem die Menschheit geformtist, zusammt den nöthigen Expensen, die jedemvon aussen angerechnet werden, nur gestatten möchte.Fremde Völker, die uns als Wunderdinge ansehen,gaffen uns an; andere, die sich klüger dünken,verachten uns; wir wollen Sie weder blos angaf-fen noch trotzig verachten, sondern in Gutem und'Bösem von ihnen und an ihnen lernen. Eine Al?bernheil, die uns bei ihnen auffällt, fällt uns beiuns selbst nicht mehr auf, weil wir sie bedeckt oderin gewohnter, beliebter Tracht sehen; uod oft ist,wenn zwei Nationen und Welttheile einander ver-