ment zu Moment folgte. Daß aber durch diesesschleichende Fieber eine neue Gesundheit, wenngleich auf Kosten leidender oder abgestorbener Glie-der bereitet werde, dies ist ein des großen Lcib-nitz würdiger Gedanke. Das Menschliche Geschlechtist ein Phönix; auch in seinen Gliedern, gan-zen Nationen, verjünget es sich, und steht auS derAsche wieder auf.
Sehr übel ists, daß wir in der Geschichte dieMeynungen und Grundsätze der Völ-ker, die dort und dünn herrschten, sowenig bemerkt finden. Man sieht Erfolge, oftspate Erfolge, und muß die vielleicht längst imVerborgenen wirkende Triebfeder trügluH errathen.Noch seltner werden in ihr dergleichen herrschendeMeynungen und Grundsätze in ihrer Abstam-mung und Fortpflanzung genealogischverfolgt; man sieht sie hie und da wie Strömeaus der Erde brechen, und sich, indeß ihr Lauf un-ter der Erde fortgeht, dem Auge verlieren. Amseltensten sind Geschichtschreiber mit wirklich mo-ralischem Blick über Vorfälle undPersonen. So oft man von einem ägyptischenTodtengericht über vergangene Zeiten spricht, so sel-ten übt man eS aus; weil vielen Beschreibet» dieBiegsamkeit des Geistes, sich in vergangene Zeitenzu sehen, andern die Waage des Urtheils, dermoralische Sinn fehlet. Und fehlet dieser,oder ist er schief und verdorben! so wird die Ge-schichte selbst verderblich. Ihr Urheber siehet mitfalschem Blick; er wägt Mit betrügerischen Ge-wichten.