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Kam Herschel“ die folgenden höchst wichtigenErklärungen an, welche vollständig das von ihm ge-gebene Urtheil rechtfertigen:
„Quelle plainte legitime pourrait faire entendrecelui qui, amoureux de ses decouvertes comme l’avarede ses tresors les enfuit, se garde meme de les laissersoupgonner, de peur'que quelque autre experimenta-teur les developpe ou les feconde. Le public ne doitrien ä qui ne lui a rendu aucun service. Oh! je vousentends! vous vouliez prendre le temps de completervotre ouvrage, de le suivre dans toutes ses ramifica-tions, d’en indiquer les applications utiles! Libre ävous, messieurs, libre a vous; mais c’est a vos risqueset perils.
J’ai parle des publications. J’appelle ainsi toutelecture academique, toute lecon faite devant unnombreux auditoire, toute reproduction de la penseepar la presse. Les Communications privees n’ont pasl’authenticite necessaire; les certificats d’amis sontsans valeur; l’amitie manque souvent de lumieres etse laisse fasciner.“
Gibt man zu, dass nach den angeführten Grund-sätzen die Geschichte der Wissenschaft geschriebenwerden soll und dass man zum Beweise der Prioritäteiner Entdeckung oder einer Erfindung entwedereine Veröffentlichung durch den Druck oder eineakademische Vorlesung oder einen vor einer zahl-reichen Zuhörerschaft gehaltenen Vortrag anführenmüsse, so muss man fragen: Welches von diesenKennzeichen wird aus den von Bauernfeind an-geführten Urkunden dargethan, um die dem HerrnHermann zugeschriebene Priorität der Planimeter-Erfindung zu bekräftigen ?
Offenbar geht aus den erwähnten Urkundenkeines dieser Kennzeichen klar hervor, doch hörenwir, was Amsler über die Erfindung schreibt:„Allein erst durch das von Oppikofer in Anwen-dung gebrachte Princip wurde eine Auflösung desProhlemes angebahnt, welche gehörig durchgeführtallen Anforderungen der Praxis genügen wird. Oppi-kofer erfand im Jahre 1827 ein Instrument, welchesden Inhalt einer Figur bloss durch Umfahren ihresUmfanges mit der Spitze eines Fahrstiftes angibt.Genau auf die nämliche Idee scheint der bayerischeTrigonometer J. M. Hermann schon 1814 gekom-
men zu sein, allein seine Erfindung wurde gänzlichvergessen und von Oppikofer neu gemacht 84 ).“
In minder ausdrücklicher Weise erwähnen auchandere Schriftsteller dieses Faches der ArbeitenHermann’«; aber in Erwägung des Umstandes,dass mehr als Vierzig Jahre vergingen, ehe die ersteauf die Studien Hermann’s sich beziehende Ver-öffentlichung durch Bauernfeind erfolgte unddass diese Studien, soweit sie jetzt bekannt gewor-den , noch unvollständig sind — fährt man fort,Oppikofer als den Erfinder der Planimeter undals Zeitpunkt der Erfindung das Jahr1827 oder 1826 zu bezeichnen.
Dieser Zeitpunkt ist nun für die Entscheidungder Prioritäts-Frage zwischen Gonnella und Oppi-kofer von der grössten Bedeutung, wie aus Folgen-dem hervorgehen wird.
Schon gegen Ende des Jahres 1824 85 ) wurdendie Toskaner Professoren Giorgi, Inghirami,Doveri, Foggi, Frullani, Ger bi, Nesti,Pacchiani, Paoli, Passerini, Pieraccioli,Pierattini und die Mitglieder des französischen Institutes, Graf F ossombroni und L i b r i berufen,das erste Modell eines vom Prof. Titus Gonnellavorgeschlagenen Planimeters zu untersuchen, und zumZwecke, wie der Verfasser sich ausdrückt, die Zeitder Erfindung durch die Presse zu bestimmen, ver-öffentlichte Gonnella im April des Jahres 1825 dieBeschreibung und Theorie seines Planimeters 86 ) ingenügendem Umfange, um denLeser in den Stand zusetzen, sich ein deutliches Bild von dieser Maschinezu machen; die Theorie beweiset, dass mit diesem In-strumente die Flächen wirklich quadrirt werden könnenund bezüglich der Konstruktion sind alle wesent-lichen Theile in ihrer Einrichtung angegeben worden.
24 ) Ueber die mechanische Bestimmung des Flächen-inhaltes, etc. von Jakob Amsler . Schaffhausen 1856, s. 4.
25 ) La Geometria delle curve applieata alle arti edalla industria. Ad uso delle Scuole d’Arti e Mestieri, dei sottoufficiali del genio e della artiglieria, dei capi d’officine e dimanifatture, delle maestranze e degli artieri — Lezioni pubbli-che dette nell’ I. e R. Istituto Tecnico di Firenze nell’ annoScolastico 1849—50 dal Dott. Niccola Collignon. Firenze.Tipografia Barbera, Bianchi e C. 1857.
26 ) Teoria e descrizione d’una macchina colla quäle siquadrano le superficie piane (Planimetro Gonnella).Dali’ Antologia, Aprile, Maggio, Giugno dell’ anno 1825.Tomo 18. Al Gabinetto seientifico e letterario di G. P. Vieus-seux direttore ed editore. Tipografia di Luigi Pezzati 1825.Firenze.