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Ein eigenes Verhängniss waltete über der Er-findung des Professors Gönne 11a. Es scheint, alsob Italien von der technischen Welt anderer Staatenganz übersehen wurde, denn wie hätte es sonst gesche-hen können, dass von den öffentlichenVerhand-lungen der italienischen Gelehrte n-Ver-sammlungen kein Wort über Gonnella’s Er-findung nach Deutschland oder Frankreich drang,dass die von Gonnella schon 1825 ersonneneEinrichtung mit der Scheibe, die im Jahre1841 43 ) in der grössten Ausführlichkeitveröffentlicht wurde und in Italien schonin Anwendung stand, erst im Jahre 184 9 44 )von Wetli nacherfunden werden konnte?
Und noch immer scheint man der italienischentechnischen Literatur nicht in allen Theilen die ihrgebührende Aufmerksamkeit zuzuwenden, denn ob-gleich, wie es der vorliegende Fall zeigt, bei derLondoner Weltausstellung 1851 das Planimeter von
Diese schöne Idee Wetli’s bahnte den Planimeternden Weg in die Praxis. (Die mechanische Planimetrie, ihregeschichtliche, theoretische und praktische Bedeutung vonErnst Fischer, Schweizerische polytechnische ZeitschriftXIII. Bd. 1868. Heft 4, S. 93).
r Der Ingenieur Caspar W e tli in Zürich brachte das Opp i-kofer’sche Planimeter dadurch zu einem hohem Grad vonVollkommenheit, dass er am Kegel den Winkel zwischen derAxe und dem Kegelmantel, welchen Oppikofer zu 9Y 2 ° an-genommen hatte, bis zu 90° vergrösserte, dass er somit stattdes Kegels eine kreisrunde Scheibe nahm. (Die Planimeter,deren Theorie, Praxis und Geschichte von Christoph Trunk.Halle 1865, S. 192.)
M. Wetli ä Zürich , reconnaissant les inconvenientsde l’eniploi du eöne en metal du planimfetre d’Oppikofer, leremplacja par un cercle horizontal ou disque en verre, quipeut dtre considdre comme un cöne dont l’angle au sommetaurait sa valeur maximum, soit 180 degres: dans cette con-dition le sommet du cöne se confond avec le centre de sa base.
Dans le planimetre d’Oppikofer, la circonference de labase du cöne etait inferieure ä la longueur de l’apothöme,tandis que dans le cercle de Wetli nous avons le rapport, durayon a la eirconfe'rence, ce qui fait que le planimetre deWetli est six ou sept fois plus exact que celui d’Oppikofer.(De l’evaluation meeanique des surfaces planes par MM.Piccard et Cuenoud. Extrait du Bulletin de la Societe Vaudoisedes Sciences naturelles. Nr. 48. S. 9. Lausanne 1861) u. s. w.
43 ) Ueber das neue Planimeter des Caspar Wetliu. s. w. von Prof. Simon Stampfer . Wien bei Braumüller.
44 ) Opuscoli Matematici u. s. w. di Tito Gonnella .Firenze 1841. S. 142.
Gonnella mit der höchsten Auszeichnung, derCouncil Medal, bedacht wurde, nahm man dochvon diesen italienischen Arbeiten in Deutschland und in Frankreich nicht genügende Kenntniss, wiedies deutlich aus dem mir leider während des Druckesam Schlüsse der Arbeit erst in die Hände gekom-menen Werke: „Die geodätischen Instrumente dergesammten praktischen Geometrie etc. von Dr. G.Chr. K. Hunäus, Hannover 1864“, hervorgeht, inwelchem zwar Seite 639 auf „Reports by the Juries etc.London 1852, Seite 304“, und auf den amtlichen Be-richt über die Industrie-Ausstellung aller Völker zuLondon im Jahre 1851, Berlin 1852,1. Theil, S. 629,bezüglich Gonnella’s Erfindung hingewiesen, dieseaber als unvollkommen hingestellt wird, ohne zu be-merken, dass auch die wesentliche W e 11 i’s c h e Er-findung von Gonnella gemacht wurde.
Fassen wir nun die Hauptmomente der Erfindungder in die Praxis übergegangenen Linear-Planimeterzusammen, so erscheint unzweifelhaft Gonnella alserster und eigentlicher Schöpfer derselben.Oppikofer erscheint als Nach erfind er,jedoch lassen die Umstände die Möglichkeit zu, dassOppikofer von den Ideen G o n n e 11 a’s beeinflusstworden sein kann. F asst man aber die geistigeEr kenntniss des Wesens der Planimeterin’s Auge, so erscheint auch hier Gonnelladem Oppikofer voraus; denn während diewesentlichste Verbesserung am Opp ikofer’schenInstrumente von Wetli im Jahre 1849 durch Ein-führung der ebenen Scheibe statt des Kegels voll-zogen wurde, erdachte Gonnella selbst dieseVerbesserung schon ein Jahr nach seiner ersten Er-findung, d. i. im Jahre 1825.
Möge es mir gelungen sein, mit den vorstehen-den Untersuchungen, deren Bearbeitung in der mirallerdings verständlichen, aber nicht vollkommen ge-läufigen deutschen Sprache ich dem Professor derGeodäsie an der forstlichen Hochschule zu Maria-brunn bei Wien , Herrn Josef Schlesinger , ver-danke, Klarheit-in die Erfindungsgeschichte der Plani-meter gebracht und jene Lücke ausgefüllt zu haben,die ich auszufüllen verpflichtet war!
Anton Favaro.