über den Ursprung der Sprache. 3
«s nicht an, dies schwache, empfindsame Wesen!So allein und einzeln und jedem feindlichen Stur-me des Weltalls es ausgesetzt scheinet; so ists nichtallein: es steht mit der ganzen Natur im Bunde.Es ist zart besaitet; aber die Natur hat in dieseSaiten Töne verborgen, die, gereiht und ermun-tert, wieder andre gleich zart gebaute Geschöpfe we,cken, und, wie durch eine unsichtbare Kette, ei-nem entfernten Herzen Funken mittheilen können,für dies ungesehene Geschöpf zu fühlen. — Die-se Seufzer, diese Töne sind Sprache.Es gibt also eine Sprache der Empfin-dung, die unmittelbares Naturgesetzist.
Daß der Mensch sie ursprünglichmit den Thieren gemein habe, bezeu,gen jetzt freilich mehr gewisse Reste, als volleAusbrüche; allein auch diese Reste sind unwidec-sprechlich. — Unsre künstliche Sprache mag dieSprache der Natur so verdränget, unsre bürgerli-che Lebensart und gesellschaftliche Artigkeit mag dieFluth und das Meer der Leidenschaften so gedam-met, ausgetrocknet und abgeleitet haben, als manwill; der heftigste Augenblick der Empfindung, wound wie selten er sich auch finde, nimmt noch im-mer sein Recht wieder, und tönt in seiner mütter-lichen Sprache unmittelbar durch Accente. Der auf-fahrende Sturm einer Leidenschaft, der plötzlicheUeberfall von Freude oder Frohheit; Schmerz undJammer, wenn sie tiefe Furchen in die Seele gra-ben; ein übermannendes Gefühl von Rache, Ver-zweiflung, Wuth, Schrecken, Grausen u. s w.alle kündigen sich an- und jede Ankündigung ist