Tugend ist aller Laster Anfang.
r.
Wir boshaften Jodler, wir Morgenröthen tanzenderTage — mit all unserer herben Beflissenheit, unsererheimlichen Brutalität, unserer tastenden Herrschsucht, unserermürben Leichtigkeit, unseren Hängen zum leise Niederträch-tigen, unserem ungesetzlichen und gleichsam schreiendenSichbehaupten — wir haben keine Tugenden, keine Jugenden.
Wenn wir welche haben, so können es nur solche sein,die sich mit unseren polychromen Lastern vertragen: wohlan,suchen wir sie auf den Waldwegen, auf den Fusspfaden,auf den Trottoirs, die wir in uns haben, und auf denen sichDerjenige leicht verirrt, der von der Gewohnheit gross-gesäugt worden ist. Greifen wir in uns hinein mit tremolirendenHänden und gehen wir ihnen nach mit vornehmem, demTugend-Pöbel, den Moral-Affen, den Honnetitäts-Pudeln un-verständlichen Musikschritten: so werden wir sie vielleichtfinden.
Auf dieser Suche — oh, meine Freunde, ich könnte...
2.
Seine Feinde lieben, lehrt die Sclavenmoral. UnsereSittlichkeit verlangt Anderes: unsere Freunde zu hassen.