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Die Schlachten bei Villiers und Champigny am 30. November und 2. Dezember 1870 sowie das Gefecht auf dem Berge Mesly / von E. von Schmid
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selbes führen könnte, wer bei seinen nicht kriegserprobten Truppen einegewagte, ebenso gewagt war seine Annahme daß er nun vollständig un-gefährdet und ohne weitere Gefechte nach Süden werde abmarschierenkönnen.

Auch wenn der weitere Marsch sich ohne Gefechte vollzog, warenfür das Heer, welches an Marschleistungen nicht gewöhnt war und demüberdies nur zwei Straßen nach Süden zur Verfügung standen, min-destens 5 Marschtage nöthig, um das Marschziel Fontainebleau zuerreichen.* **) )

Das Heer war jedoch nur mit einem Bestand an Lebensmittelnauf 0 Tage versehen, welche zudem vom Manne getragen werden mußten^ani 28-, 29. und 30. November waren schon 3 Tagesportionen ver-zehrt, es fehlte also die Verpflegung schon für die beiden letzten Marschtage.

Auf die Beitreibung der Verpflegung für ein Heer von 100000Mann war in dem ausgesogenen und theilweise von den Einwohnernverlassenen Lande nicht zu rechnen. Proviantkolonnen waren nicht mit-genommen, die gesamten Wagen waren nur mit Munition beladen undso war mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß das Heer aus Mangelan Verpflegung zu Grunde gehen mußte.

Die Truppen hatten zum großen Theile weder die sonst im fran-zösischen Heere üblichen Decken, noch Zelte mitgenommen, wie solltendie jungen Mannschaften mitten im Winter die Anstrengungen auch nurder Märsche ertragen?

Auch auf Wegnahme der großen deutschen Magazine in Lagny warkein Bedacht genommen. Die am ersten Tage nach Lagny vorgesandteReiterei hatte nur die Aufgabe, die dortige Brücke zu zerstören?*)

Alle diese Betrachtungen führen uns darauf, daß General Duerot,

*) Ducrot II S. 154.

**) Duguet sagt auf S. 256:Ein Adjutant des Generals Trochu hat aus-drücklich bestätigt, daß Niemand unter den Generalen die Absicht sich durchzuschlagenhatte. Beweis hiesür ist, daß man die Soldaten nicht einmal die Decken mit-nehmen ließ. Die für den Marsch eines Heeres erforderlichen Proviantkolonnenmitzufahren, war unnöthig, weil man, was auch kommen sollte, zurückkehrenwollte, auch wenn man das ganze preußische Heer vernichtet haben würde.