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Alte und neue Richtungen in der Geschichtswissenschaft : I. Über geschichtliche Auffassung und geschichtliche Methode. II. Ranke's Ideenlehre und die Jungrankianer / Von Karl Lamprecht
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I. Über geschichtliche Auffassung und geschichtliche Methode. 9

Wie weit da nun das neue Prinzip bisher wirkliche Er-rungenschaften auszuweisen hat, das läßt sich ungefähr ausdem Zusammenhange entnehmen, in dem es mit der evolutio -nistischen Geschichtsforschung steht. Eine entwickelnde Geschichts-schreibung ist offenbar nur da möglich, wo die Thatsachen inder Form wissenschaftlich miteinander verbunden werden können,daß die Darstellung von den früheren zu den späteren in aus-gedehnteil, in sich von Glied zu Glied absolut notwendigen undabgeschlossenen Schlußketten fortschreitet. Eine solche Darstellungist aber nur bei kausaler Methode möglich. Die theologischeBetrachtung schließt ja von der späteren Thatsache zunächstrückwärts auf das frühere singuläre Motiv; eine Kette solcherRückschlüsse hat aber nichts in sich Notwendiges, da jedes Motivdieser Kette, weil aus freiem Entschluß hervorgehend, in sichdas Moment der Willkür birgt. Eben auf der Praxis bloßerVerbindungen solcher singulär dastehender Motive beruht ja dieältere Geschichtsauffassung; darum ist sie pragmatisch. Die / ^ ?

evolutionistische Geschichtsschreibung dagegen ist eben durch mög-,lichst weitgehende kausale Auffassung des Geschehenen charak-!terisiert.

Hiervon giebt es, so viel ich sehe, nur eine, übrigens auchnur scheinbare Ausnahme. Es läßt sich nämlich denken, daßin einem gewissen Falle eine Reihe von eminent individuellenHandlungen dennoch in kausaler Folge abgeleitet wird, indem Falle nämlich, daß sie von derselben Person ausgeht.

Dann läßt sich nämlich die ursprüngliche Anlage dieser Personals der Focus auffassen, dem diese Handlungen mit absoluterNotwendigkeit kausal entspringen. Man sieht: das ist derFall der Heldenbiographie, der künstlerisch geschlossenen Bio-graphie überhaupt. In ihr läßt sich das kausale und das evo-lutionistische Prinzip auch auf die singuläre Personengeschichteübertragen, freilich nur, wenn und indem man den be-handelten Personen eine so stabile Grundlage ihres Thunszuschreibt, wie sie sonst Personen minder eminenter Handlungsartin ihrer Lebenshaltung, ihrem genetischen Dasein besitzen.

Nun ist aber charakteristisch, daß auf dem Gebiete der so-