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Maximilian's I.Beziehungen zu Sigmund von Tirol in den Jahren 1490-1496 : Studie zur Charakteristik beider Fürsten ; fünfzehnter Jahresbericht des Leopoldstädter Communal-Real- und Obergymnasiums in Wien. Am Schlusse des Schuljahres 1879 veröffentlicht / von Dr. Alois Pokorny ; Victor von Kraus
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Eroberungszuge uacli Oesterreich und Ungarn und hatte dieCorrespondenz des Königs mit Sigmund zu besorgen. Dassneben den geschäftlichen Tragen Mittheilungen über die mo-mentane politische Sachlage eine so hervorragende Rolle spielen,ist wohl auf den ausdrücklichen Wunsch des Königs zurückzu-führen. In der That fiel kein wichtiges Ereigniss vor, von demnicht Sigmund sogleich in Kenntnis» gesetzt wurde, und so istdie von uns mitgetheilte Correspondenz ein werthvoller Beitragzur Geschichte Maximilians für eine allerdings kurze Periode.

Anfangs Juni bricht Maximilian von Linz auf, um eineRecognoscirung nach der Steiermark zu unternehmen; über Wels und die Rottenmanner Tauernstrasse erreicht er am 20. JuniLeoben . Von da kehrt er, wahrscheinlich über Enns , nach deroberösterreichischen Hauptstadt zurück, die er nach viertägigemAufenthalte am 9. Juli endgültig verlässt, um wieder über Enns und die Rottenmanner Strasse nach Graz vorzudringen, wo wirihn am 27. Juli bereits treffen). Aus Waldaufs Berichtenentnehmen wir, wie auch am Hofe Maximilian 1 » diegemeineSage, und zwar nicht immer im Einklänge mit dem Thatsäch-lichen, eine gewichtige Rolle spielt. So schreibt Waldauf, Maxi-milian sei bereits zum Könige von Ungarn gewählt worden, einTürkenheer sei im Anzuge begriffen. Schon Anfangs Juli war mander Treue der Wiener und Wiener-Neustädter, wo nur die Burgenin den Händen der Ungarn blieben, sicher. Eine auffallendeErscheinung ist es, dass Waldauf nur drei Kronprätendenten:Maximilian, Wladislaw und dessen Bruder Johann Albrecht kennt.Von dem vierten, Johannes Corvin und seinem Anhänge, wirdimmer nur als von einer Maximilian ergebenen ungarischen Parteigesprochen. Liegt nicht der Gedanke nahe, dass selbst Maxi-milian durch die ungarischen Zweideutigkeiten lange Zeit inverhängnissvollemlrrthume gehalten wurde? 2 ) Ganz richtig meldetWaldauf, Wladislaw sei am 15. Juli zum Könige ausgerufenworden. Was er aber von Maximilian 1 » Proclamation zwischen

im Angesicht drohender Todesgefahr gemacht habe. 1506 führte Waldaufdie Aufsicht über die Haller Salinenverwaltung. 1509 bereiste er im Vereinemit seinem gelehrten Freunde, dem Humanisten Joh. Fuchsmagen, die Salinenzu Gmunden und Hallstadt . Er starb am 1. Januar 1510 zu Bettenbergund wurde in Hall begraben. (S. Seb. Bufs Aufsatz über Joh. Fuchsmagenin der Ferdinandeums-Zeitschrift.)) S. Waldauf s Brief Nr. 5. 2 ) DieseAnnahme gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man liest, dass selbst dieUngarn den Johannes eines geheimen Einverständnisses mit Maximilianverdächtigten. Mehrere ungarische Bischöfe warnen Johannes vor den Ein-flüsterungen der österreichischen Partei; s. Bonfin, IV. 9. 699, und Fessler-Klein, Geschichte Ungarns , III. 234.