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geschickte der Ponymphe Lucia oder Lucilla,, eine nach dem Vovbilde des Ninfale FiesolanoBoccaccios ins Gewand der Lokalsage gekleidete Verwandlungsgeschichte, die Strozza nachjenem Briefe schon 1443 dem Markgrafen Leonello gewidmet hatte 1 ). Noch anschaulicherwird die husch- und wildreiche Niederung in einem Idyll geschildert, als Schauplatz derJagd auf einen gewaltigen Eber und der Hochzeitsfeier des glücklichen Birottus, der dieGegend von der Plage befreit und zum Lohne die Hand der schönen Bauerntochter Bellinaerhält 2 ). Seitdem ums Jahr 1460 Quartisana in den Besitz unseres Dichters übergegangenwar, bildete es seinen Lieblingssitz 3 ), von dem er lebendige Schilderungen entwirft 4 * ). ImAlter bot ihm namentlich Fiesso wegen der Nähe der euganeischen Hügel eine angenehmeSommerfrische 0 ), in der er seine Dichtungen zum Abschluß zu bringen suchte und einenanregenden Verkehr mit seinem Freunde Battista Guarino unterhielt, der jenseit des Tartarobei S. Bellino die Villa Guarine, ein Geschenk Borsos, besaß 6 ).
Obst- und Weinbau gehörten zu Titos Lieblingsbeschäftigungen 7 ), und es machtihm sichtliche Freude, seinem Freunde Castelli eine köstliche Probe selbsterbauten Weinesübersenden zu können 8 ). Vor allem war er bis ins hohe Alter 9 ) ein leidenschaftlicherJäger. Keiner verstand wie er den Wald zu umstellen, der Fährte des Hirsches zufolgen und dem Eber mutvoll zu Leibe zu gehen; noch übertraf ihn jemand in derKunst, Raubvögel zu zähmen und für die Jagd abzurichten 10 ). Die Hasen der Felder, daszahlreiche Federwild in den sumpfigen Niederungen und die Fische des Pos sind seinerunverwüstlichen Jagdlust eine gleich willkommene Beute 11 ). Wenn er Freunden, wie dem„göttlichen“ Dichter Tribraco aus Modena oder einem gewissen Mazzoni aus Ferrara , dieGastfreundschaft auf seinem Landgute Quartisana anbietet, vergißt er nicht, auf seinevorzüglichen thracischen Jagdhunde und nordischen Edelfalken hinzuweisen 12 ). Einem dieseredlen Jagdvögel, Namens Bagarino, den er von Cosimo Tura hatte malen lassen, widmeter sogar einen langen dichterischen Nachruf 13 ). Während in jenen Einladungsschreiben auchdie Menge der hübschen Bauerdirnen nicht unerwähnt bleibt, sieht sich der Dichter derErotica in späteren Jahren veranlaßt, dem Argwohn zu begegnen, als ob Liebesabenteuerihn an seinen einsamen Landsitz fesselten 14 ).
1 ) Sie findet sich als Erot. II, 11 in den Hss. und ist von Mittarelli nach der ursprünglichsten
Fassung in einem ziemlich fehlerhaften Texte veröffentlicht worden (col. 1088—1094). Sie umfaßt im
Cod. S. Mich. 288 Hexameter, im Cod. Dresd. 291. Die Inhaltsangabe, welche die Überschrift bildet,lautet in der Dresdener Hs. folgendermaßen: Lucilla nympha rechanensis heridano patre progenita Dianae
comes fuisse dicitur, a Pane mercurio atque Apolline amata est; his repudiatis dormienti per vim stuprum
pastor intulit, quod aegre puella ferens lacrymis et dolore confecta cibi abstinens vitam cum morte com-
mutavit. Eius corpus heridanus pater in foveam (lies fontem) vertit, quem Phoebus indignatus ob repulsam
ab ea quondam acceptam paludem fecit. — 2) Das Idyll findet sich in den Hss. als Erot. III, 5, sowie für
sich in Cod. Est. VI. A. 26, einer Miscellanhs. auf Pergament in 4° aus dem 17. Jahrhundert, und ist
ebenfalls von Mittarelli nach dem Cod. S. Mich, herausgegeben worden (col. 1082—1088). Es umfaßt
153 Distichen und zeigt in der Dresdener Hs. die korrekte Überschrift: De situ Pelosellae ruris (nichttur[r]is) ferrariensis, et de victoria venatica Birotti, et de eius connubio. Es ist, wenigstens nach einerAngabe Tiraboschis (VI, p. 1356), gleichfalls an Leonello gerichtet. — 3 ) Epic. Titi patris, v. 165 sqq.
— 4 ) Erot. IV, 18. 25. — 5) Serm. 4, v. 27 in Verbindung mit v. 125 sqq. — 6) Barotti II, p. 56 sqq.
— 7 ) Erot. IV, 24, v. 19 sq. — 8) Erot. IV, 23. — 9 ) Here. Str. Venatio, v. 295 sqq. — 10 ) Epic. Titipatris, v. 170 sqq. — 11) Erot . IV, 24, v. 11 sqq. — 12) Erot . IV, 18, v. 27 sqq. IV, 25, v. 123 sq. —
13 ) Erot . VI, 1. — 14) Aeol. I, 4, v. 31 sqq. Serm. 4, v. 115 sqq.
1891. Progr. Nr. 532.
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