271
Armee durch den Frieden von Campo Formio mit einem glück-lichen Erfolge gekrönt sehen, so kann es dadurch nicht gerechtfer-tigt erscheinen, denn dieser Erfolg wäre durch das gleichzeitigeVordringen aller Armeen weit sicherer erreicht worden. Das ein-zelne Motiv, welches Bonaparte zuerst in Bewegung setzte, daßdie Divisionen Mercantin und Kann von der Rheinarmee nochnicht beim Erzherzog angekommen waren, konnte in der allge-meinen Betrachtung der Verhältnisse kein solches Gewicht haben.
Zu tadeln dürfte aber der französische Feldherr darum sein,daß er, während er mit 44,000 Mann die Richtung über dieJulier Alpen nahm, zugleich 20,000 Mann in dem Etschthalevordringen ließ. Eine solche Macht war schwerlich hinreichend,Tirol zu erobern, d. h. die Truppen des stehenden Heeres darauszu vertreiben und den Landesaufstand zu entwaffnen; war sieaber das nicht, so mußte sie dort immer in eine nachtheilige Lagegerathen. Hätte er 10,000 Mann in der Ebene bei Veronagelassen, so waren diese viel besser im Stande, seine Verbindungs-linie zu sichern, den Venetianern Furcht einzuflößen und sich selbstvor Unglücksfällen zu schützen; die Hauptarmee aber wäre da-durch um 10,000 Mann stärker geworden.
Selbst wenn dieses Vordringen in Tirol auf ein gleichzei-tiges Vordringen der Rheinarmce durch Schwaben berechnet ge-wesen wäre, verdiente es Tadel, denn Joubert wurde dann nurein Verbindungskorps und diese sind, so lange die Hauptmassenauf große, entscheidende Schläge ausgehen, nicht streng noth-wendig, und darum eine verderbliche Kraftzersplitterung. Gene-ral Joubert gerieth in die nachtheiligsten Verhältnisse und mußtefroh sein, nach vier Wochen mit seiner Armee, um ein ganzesDrittheil geschwächt, zu Bonaparte zu stoßen. Dies beweistwohl hinlänglich, daß er dahin gehörte, und nicht nach Tirol.
Bonaparte stellt zwar in seinen Memoiren die Sache so dar,als wenn dies von Hause aus die Bestimmung Jouberts ge-wesen wäre; aber es ist damit, wie mit der Richtung, die erNey nach der Schlacht von Ligny gegeben hatte und die ernachher aus einer excentrischen in eine koncentrisch gemeinte um-zwingen wollte. Welch eine wunderliche Idee wäre es gewesen,