Band 
Erster Band.
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Kriegsscenen aus den Zeiten der Kaiserin Katherina II. 103

teien, in die er sich theilte, in gleicher Weise redlicher Ernst mit diesenUnterhandlungen. Der Kanzler Panin wollte allerdings den Frieden,und fast noch entschiedener verlangte ihn der commandirende Feld-marschall Rumäntzow, der die Fortsetzung des Krieges als hoffnungs-los darstellte, und stets klagend von den Kosten sprach, die er ver-ursache, von den Verlusten, die er herbeiführe. Anders dagegen dervor allen mächtige Gregor Orlow, der auf dem Congresse zu Focsanyals der Bevollmächtigte Rußlands erschien. Er wollte den Friedennicht. Während er die Unterhandlungen in gebieterischer Weise be-trieb, wurde zugleich der Plan zu einem Angriff unmittelbar aufConstantinopel entworfen, bei dem natürlich die russische Flotte imMittelmeere eine Hauptrolle spielen sollte — und der Waffenstillstand,der Unterhandlungen wegen geschlossen, wurde benutzt, um G. v. Knor-ring von Focsany aus über Constantinopel zu eben der Flotte imMittelländischen Meere zu senden. Er sollte dort das Nöthige desAngriffes wegen mit dem Grafen Alexey Orlow verabreden, undunterwegs die Dardanellen-Schlösser besichtigen.

Kuorring brach von Bucharest auf und gelangte, mit den nöthi-gen Papieren versehen, ohne aus Hindernisse zu stoßen, über dieDonau und in das Lager der türkischen Armee, wo er gut em-pfangen und wo, in dem besonderen Lager des Großvezirs, eingroßes Zelt für ihn aufgeschlagen wurde. Wir lassen ihn nun selbsterzählen.

„Kaum daß ich in meinem Zelte eingerichtet war, so kam derSchatzmeister des Großvezirs zu mir und fragte mich durch seinenDolmetscher nach allen Richtungen aus, wer ich wäre, woher ich kämeund wohin ich ginge? — Ich gab ihm Bescheid, wie es sich gehörte:ich sei der Oberstlieutenant Kuorring, komme vorn Grafen Rumäntzowund gehe zum Grafen Alexey Orlow. — Endlich fragte er, ob ichDepeschen an den Großvezir zu übergeben habe? — Ich hatte der-gleichen nicht. — Dann, erklärte der Schatzmeister, könne mir auchder Großvezir nicht eine Audienz gewähren, denn der Großvezir em-pfange keinen Fremden, der nicht Depeschen an ihn überbringe. —Das nahm ich ziemlich gleichmüthig aus, denn mir lag in der Thatwenig daran, ob mir eine Audienz gewährt wurde oder nicht; zumeinem Auftrage that das nichts. Indessen nach einer kleinen Weilekam der Schatzmeister wieder, um mir ohne weitere Einleitung zu