128 Knegescenen aus den Zeiten der Kaiserin Katherina II.
eigentlich nichts absolut unangreifbar; es kömmt immer daraus an,wie der Feind das Terrain benutzt!" — Augenblicklich verließ derGroßfürst das Zimmer und das Haus, und stieg in seinen Reise-wagen, ohne ein Wort weiter zu sprechen, ohne ein Wort oder einZeichen des Abschieds an die versammelten Generale.
Er hätte die Armee verlassen müssen, auch wenn der Feldzug nichtbeendigt gewesen wäre. Der Kaiserin war — wir wissen nicht auswelchen Wegen — hinterbracht worden, daß der Herzog von Süder-manland Verbindungen mit ihrem Sohn anzuknüpfen suche, — oderauch daß die Soldaten den Großfürsten gern in ihrer Mitte zu sehenschienen — und sie hatte ihn daraus hin bereits abgerufen.
In der Hauptstadt erwarteten den unglücklichen Thronfolger neueKränkungen, die ihm freilich nur, so zu sagen, aus zweiter Hand zu-kamen, da er in Gatschina lebte und den Hoffesten in der Regel nichtbeiwohnte.
Es wurde nämlich im folgenden Winter auf dem Theater derEremitage eine satyrische Oper gegeben, von der man wissen sollteund wußte, daß die erhabene Kaiserin geruht habe sie höchst selbst zuverfassen — den Text nämlich. Es hieß, der König von Schwedensolle darin verspottet werden. Der Inhalt erwies sich — wir möch-ten sagen - - phantastisch ohne Phantasie, und eher boshaft als witzig;der Witz jedenfalls etwas derberer Art als man von einer geistreichenKaiserin erwarten durfte.
Das kündigt sich schon in dem Titel an: „Der Traurige HeldSchieszielersohn" (Gore Bogatyr Kossometowitsch) - und das Weitereübertrifft sogar noch den Titel.
Der Traurige Held hat sich sein Leben lang mit nichts beschäf-tigt als — Rosinen aus der Vorrathskammer seiner Mutter zu ent-wenden — und „Swaika" zu spielen (ein russisches Volksspiel, indem man einen großen eisernen Nagel mit breitem Kopf, aus einigerEntfernung in einen aus der Erde liegenden eisernen Ring zu werfensucht). Aber es ist ihm auch damit nicht gelungen; er trifft nie inden Ring, weil er immer schief zielt — gerade wie sein verstorbenerVater, der den Beinamen Schieszieler davon getragen hatte. Beialledem hält der flinke junge Mann sich für einen Helden, und bittetseine Mutter um die Erlaubniß in den Krieg zu ziehen. Die zärt-liche Mutter will ihn, die einzige Hoffnung und Stütze ihrer Erb-