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Erster Band.
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Das russische Heer >m Frühjahr 1854.

das Individuum schon als ein tüchtiges geboren werden, um über-haupt leben zu können. Geboren werden in Rußland gewiß eben soviele scrophulöse, ja syphilitische, erbärmliche Kinder wie irgend an-derswo, aber der Winter räumt jedesmal ganz gewaltig auf unterihnen! — Ein Frost von 20 bis 28 Graden Röaumur, der mehrereWochen anhält; ein paar rasche Uebergänge von solchem Frost, nachgewaltigem Sturmwind, zu Thauwetter und Nässe; — dann neuerFrost, der eben so plötzlich eintritt: dergleichen schafft Hunderttausendearmseliger kleiner Geschöpfe aus der Welt!

Was übrig bleibt, darf sich freilich schon eher sehen lassen. Dochsehen die Kinder bis etwa zum vollendeten vierten Jahr im Allge-meinen blaß und elend aus. Später erholen sie sich allerdings; beinäherer Untersuchung aber findet man doch nicht so häufig als mandenken sollte, einen gleichförmig in allen seinen Theilen kräftig ent-wickelten Organismus; besonders bei den Großrussen ruht ein kräftigausgebildeter Oberkörper häufig, ja fast in der Mehrzahl der Fälle,aus verhältnißmäßig schwachen Beinen, weshalb, beiläufig bemerkt,die Großrussen auch meist schlechte Reiter sind. Wer die stattlichstenGrenadiere und Kürassiere der kaiserlichen Garde genauer untersuchenkann, oder auch nur aufmerksam beobachtet, wird diese Bemerkunggegründet finden.

Unter den im Lande ausgehobenen Rekruten ist die Sterblichkeitimmerdar eine sehr große, ja von der Art, daß sie wohl die ernstestenBedenken erregen müßte. Sie ist von der Art, daß das gewonneneResultat, die wirklich unter den Fahnen versammelte Mannschaft,durchaus nicht in einem normal zu achtenden Verhältniß zu denOpfern steht, die das Land bringen muß. Rußland hat in den zehnJahren von 1805 bis 1814 nicht weniger als 1,463,000 zu sünfund-zwauzigjähriger Dienstzeit verpflichteter Rekruten wirklich gestellt. Wieschwach verhältnißmäßig die russischen Heere durch alle Feldzüge hin-durch waren und blieben, weiß die Geschichte zu erzählen.

Ein Prozeß, der durch den Fürsten Worontzow veranlaßt, voreinigen Jahren großes Aufsehen erregte, konnte die Welt wohl daraufaufmerksam machen, was für Mißverhältnisse in dieser Beziehungihren verderblichen Einfluß üben, wenn sie auch in diesem Fallgerade zu einer ungewöhnlichen Höhe gesteigert waren. In den Peters-burger Salons, in den gesellschaftlichen Kreisen, in denen sich die