Das russische Heer nn Frühjahr 1854.
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Rasche, kühne, unternehmende Beweglichkeit muß man im Feldevon der russischen Reiterei nicht erwarten. Aber die Leute sind tapfer,und wenn nur die Gangarten rascher wären, Attaquen in wirklicherCarriere ausgeführt würden, möchten Massen-Angrisfe dieser Kavallerie,besonders der vielen mit Lanzen bewaffneten Regimenter, gewiß nichtgering zu achten sein. Man hat bei der österreichischen Armee 1848bis 1849 in Ungarn die Lanze schätzen gelernt, besonders den mora-lischen Eindruck eines Angriffs mit Lanzen bewaffneter Reiter. Frei-lich wurden diese Erfahrungen neu gebildeten Truppen gegenübergemacht j doch sind sie darum nicht ohne Weiteres zu verwerfen. —Aeltere preußische Offiziere glauben ähnliche Erfahrungen in denJahren 1813 und 1814 gemacht zu haben. Für den Russen vollendsist dieLanze dieWaffe, in die er vorzugsweise Vertrauen setzt. Doch bleibtfreilich die Hauptbedingung, die erfüllt werden müßte, daß man sichan entschlossenes Reiten und raschere Gangarten gewöhnte. So langedas nicht geschieht, könnten die Angriffe russischer Reiterei wohl mit-unter etwas ohnmächtig ausfallen — hin und wieder sogar um solangsamer werden, je näher man dem Feinde kommt.
Uebrigens treten manche der Mangel, die sich in der russischenKavallerie nachweisen lassen, bei den Feldregimentern, die mehr sichselbst überlassen bleiben, weniger hervor als bei den Garden.
o. Dragoner.
Die Idee, ein berittenes Fußvolk zu bilden, ist, wie wir dessenbereits an einer früheren Stelle gedacht haben, schon oft gefaßt, oftwieder aufgenommen worden, und zwar zu Zeiten, wo die allgemeinenNormen der großen Taktik einem solchen Beginnen günstiger warenals die gegenwärtigen Verhältnisse der Kriegführung —: und dochhat man sich immer wieder veranlaßt gesehen, die Versuche fallen zulassen. Schon daraus ist man fast gezwungen zu folgern, daß in derSache selbst ein Widerspruch liegt, der wohl nicht so leicht durch einenhöheren Grad von Eleganz und kleine Verbesserungen in den Einzeln-heiten zu beseitigen ist.
Was der Doppelbrauchbarkeit einer solchen Truppe immer hin-dernd im Wege stehen wird, liegt ziemlich nahe. Die erste Bedingungwirklicher Kriegstüchtigkeit jeder Truppe ist volles Vertrauen in dieeigene Waffe. Der Reiter muß, wenn er etwas Werth sein soll, sichals untrennbar von seinem Pferde betrachten; er muß an die Ueber-