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Der französische Adel in seinem Verhältniß
Es giebt gewisse Behauptungen, die immer wiederkehren in derGeschichte, gewisse Vorstellungen, die sich gar nicht wollen beseitigenlassen, die immer wieder geltend gemacht werden sollen, mögen sieauch noch so oft und noch so schlagend widerlegt sein. Natürlich sinddies, wenn nicht ausschließlich doch weit überwiegend, Behauptungen,Darstellungen geschichtlicher Verhältnisse, die politischen Parteien dienensollen ihre Forderungen an Gegenwart und Zukunft zu begründen.Denn geschichtliche Irrthümer, die den menschlichen Leidenschaften,der Selbstsucht der Parteien nicht dienen können und kein gegen-wärtiges Interesse zu fördern versprechen, sind leichter zu bewältigen.Absonderliche Systeme, wie sie der gelehrte Scharfsinn, wohl im Ge-fallen an sich selbst und mit sich selbst spielend ersinnt — Dar-stellungen, die auch mitunter der Wunsch eingiebt mit etwas Beson-derem, Unerhörtem überraschend hervor zu treten und Aufsehen zuerregen in der gelehrten, wo möglich selbst in der gebildeten Welt —:dergleichen hat keine lange Lebensdauer, und wenn es auch eine Zeitlang sehr allgemein Mode geworden sein sollte.
Die Mittel, vermöge welcher jene zäheren Irrthümer am Lebenerhalten, werden, sind nach der Natur der Fälle verschieden. Eins derbeliebtesten ist, auf eine eigentliche Diskussion gar nicht einzugehen,und anstatt die Welt auf dem mühevollen und immerhin bedenklichenWege ernster Beweisführung zu bekehren, lieber den entscheidendenPunkt stillschweigend als erwiesen, ja die eigene Ansicht in Beziehungauf diesen Punkt als allgemein in ihrer Richtigkeit anerkannt, als garnicht angefochten vorauszusetzen, und sich lediglich mit dem Aufbauder Folgerungen und Forderungen zu beschäftigen. Es versteht sich,daß man sich denn auch durch Einwürfe und Widerlegungen nicht indie eigentliche Erörterung hineinziehen läßt. Das hieße ja den Vor-theil der eigenen Stellung ausgeben. Im Gegentheil; je gewichtigerdie Einwürfe sind, je schlagender die Widerlegungen, desto unbedingterübergeht man sie mit Stillschweigen. Man kömmt, ohne sich imMindesten stören zu lassen, immer wieder mit der alten Behauptung,und baut weiter auf der alten Grundlage, als habe sich niemandbeikommen lassen, daran zu rütteln. Die Sache versteht sich nachwie vor von selbst.
Ganz in dieser Weise haben wir schon unendlich viel und immerwieder von Neuem von der edlen Hingebung hören müssen, mit welcher