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Der französische Adel in seinem Verhältniß
Hunderte lang waren vielmehr die Franken von den römischen Kaisernals Verbündete zum Schutz der gallischen Provinzen gemiethet, undwas ihre Könige nach und nach an Macht und Ansehen im Landeerwarben, verdankten sie lediglich kaiserlicher Verleihung, vermögewelcher ihnen die Verwaltung mehr und mehr übertragen wurde, bisdann zuletzt Justinian von Constantinopel aus durch einen förmlichenVertrag die höchste Machtvollkommenheit in Gallien den SöhnenChlodowig's ganz überließ. Es gab demgemäß in Frankreich keineEroberer, kein herrschendes Volk und kein unterworfenes. Die ganzealte, römische Verfassung und Verwaltung des Landes blieb stehenin schönster ungestörter Ordnung, wie sie gewesen war, und Frank-reich bestand aus einer Anzahl Städterepubliken mit wohl eingerich-teten Municipalversassungen, unter der ausschließlich auf römischemRecht ruhenden Oberhoheit eines fränkischen Königs. Landeshoheitder großen Landesherren, Adelsherrschaft, Feudaldruck —: das Allesbrach erst mehr als vierhundert Jahre nach der Gründung des Reichsim neunten und zehnten Jahrhundert herein, als das königliche An-sehen in schwachen Händen gesunken und eine Zersplitterung derhöchsten Machtvollkommenheit möglich geworden war — und zwarals Ergebniß der Treulosigkeit, des Verraths, der Empörung. Dermittelalterliche Zustand Frankreichs war nicht Folge der Eroberung —:er war durch den Frevel, die treulose Anmaßung derer entstanden,die den Adel bildeten.
Diese abenteuerliche Ansicht ist, beiläufig bemerkt, auch heutenoch keineswegs verschollen in Frankreich. Deutsche Wissenschaft istihr zu Hülfe gekommen, indem sie vielleicht etwas zu weit ging unddas Fortbestehen römischer Mnnicipalverfassungen selbst am Rheinund an der Donau nachzuweisen bemüht war; besonders aber diesemangeblichen Fortbestehen eine Bedeutung beilegte, die es wohl inkeinem Fall gehabt haben könnte. Mit Eichhorn's und Savigny'sGelehrsamkeit ausgerüstet, haben sich elegante französische Akademikerbemüht, dem System des alten Dubos ein Ansehen zu geben, in demes den Ergebnissen der neuesten Forschungen zu entsprechen schien,und noch immer müssen wir häufig genug Darstellungen lesen, indenen Chlodowig nicht als Eroberer erscheint, sondern etwa als einSöldnerhauptmann, den die gallischen Landschaften, von den Römernsich selbst überlassen, mit seiner Schaar in ihren Sold nahmen, un-