Der französische Adel in seinem Verhältniß
Über alles geschichtliche Recht, über jedes Bedenken hinaus helfenkonnte.
Aus die Frage der Nationalversammlung antwortete der Hos, dieTruppen seien nur zusammengezogen, um die gefährdete Ruhe undOrdnung zu schützen, und glaubte damit vielleicht sogar die Wahr-heit zu sagen, denn Ruhe und Ordnung sind sehr dehnbare Begriffe,unter denen man gar vielerlei verstehen kann.
Endlich, am 11. Juli, wurde der entscheidende Streich geführt;Necker wurde entlassen und des Landes verwiesen. Sein Nachfolgeran der Spitze des Ministeriums, der Baron Brötenil, meinte sogar,der Mann müsse verhaftet werden, um jeder Ruhestörung vorzubeugen— als ob der umständlich doktrinäre Genfer Wechsler je in Waffenan der Spitze eines empörten Volks erscheinen könnte! Ludwig XVI.sah, wenn nicht das Lächerliche, doch das Verkehrte dieser Vorstellungein und verbürgte sich mit seinem Wort dafür, daß Necker auf seinGeheiß ruhig außer Landes gehen werde. Seine Anhänger im Mi-nisterium: Montmorin, la Luzerne, St. Priest, erhielten ebenfalls ihreEntlassung, und an die Spitze der Geschäfte trat, wie schon gesagt,Bröteuil, ein Hofmaun, als Diplomat an alle die Winkelzüge derArglist gewöhnt, die man für Politik hielt, und ohne alles erweiterteVerständniß mit leidenschaftlicher Beschränktheit gewillt, die alte Zeitim Sinn seiner Standesgenoffen wieder herzustellen. Man war da-bei seiner Sache so gewiß, so sicher in den alten Bahnen des ge-wohnten Leichtsinns, daß am 13. Juli im Versailler Schloß ein großerHofball gegeben wurde.
Die sehr natürliche, von den Volksführern längst vorbereiteteund dennoch unerwartete Folge war, daß Paris in Waffen ausstand;daß die französischen Garden zu dem Volke übergingen; daß die Ba-stille gestürmt und geschleift wurde; daß die Nationalversammlungganz entschieden Frankreichs Zukunft in die Hand nahm und daranging, dem Reich eine Verfassung zu geben, über die sie fortan Hof,König und Regierung auch nicht einmal mehr um ihre Meinung be-fragte.
Von der anderen Seite zeigte sich, daß ein Schwert zu garnichts hilft, ohne Muth und Einsicht. Der Hof wußte nun gar nichtsanzufangen mit der Truppenmacht, die man zusammengezogen hatte.Der elegante Bezenval, der Schweizer von Cythere, wie man ihn in