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Der französische Adel i» seinem Verhältniß
Herren vom Ersten bis znm Letzten die Deutschen und ihre Fürsten,deren Hülse sie doch in Anspruch nehmen wollten, im eigenen Landemit Spott, Hohn und hochfahrender Geringschätzung behandelten. Eswar schon arg genug daß sie, um ihre Händel unter sich zu schlich-ten, einen französischen Gerichtshof einrichteten, als gäbe es in Coblenz 'keinen Landesherrn, als seien sie da aus einer herrenlosen Insel —: ^
sie trieben aber die Anmaßung soweit, auch Deutsche, in denen sieJacobiner oder Spione vermutheten, oder die ihnen sonst im Wegewaren, vor diesen Gerichtshof zu fordern und zu Gefängniß zu ver-urtheilen. Nicht ohne Mühe, und nicht einmal vollständig, gelanges den Behörden diesem Unwesen zu steuern! —
Machten sich nun die Ausgewanderten auf diese Weise verhaßtin den Rheinlanden, so wußten sie auch die allgemeine Achtung keines-weges zu erwerben. Ihr Leben war vielmehr in vielfacher Beziehungin hohem Grade anstößig. Schon die unvernünftige Verschwendungdie man sie treiben sah, die Genußsucht die sich auch in so drohen-den Verhältnissen nicht zu mäßigen verstand, und von keinem anderenals sinnlichem Genuß etwas wußte, konnte weder Theilnahme nochAchtung einflößen. Die Ausgewanderten veranlaßten am Rhein voll-ständig eine wahre Theuerung aller Lupusgegenstände. Delieatessenfür die Tafel namentlich, waren für die Landeseingeborenen gar nichtmehr zu bezahlen. Schlimmer noch war, daß die Herren unrettbarin leichtsinniger, znm Theil sogar sehr schmutziger Sittenlosigkeit be-fangen, nach wie vor, in Coblenz wie zu Versailles, eine Kette ga- ^
lanter Abenteuer zu dem eigentlichen Hauptinhalt ihres Lebens mach- '
ten. Die politischen Intriguen waren aus das engste mit diesenAbenteuern verflochten; wer nach politischem Einfluß strebte, suchtezugleich die Aufmerksamkeit dieses oder jenes Prinzen auf eine neueSchönheit zu lenken, um durch sie sein Ziel zu erreichen. Warendoch so viele schöne Damen mit ausgewandert! — Die Herren trie-ben es so arg, daß es selbst in den Rheinlanden befremdete, wo dochdie vielen geistlichen Höfe an lockere Sitten gewöhnt hatten. Unteranderem benahm sich die Gräfin Balbi, Geliebte des Grafen vonProvence, in solcher Weise, daß ihr der Churtrierische Hos verbotenwerden mußte. Sie entfernte sich darauf, eine Zeit lang drehten sichnun die Thätigkeit, die Ränke der Ausgewanderten darum, welcheneue Göttin den Prinzen über ihren Verlust trösten sollte.