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Die französische Revolution und die historische Forschung.
durch sie bewilligt werden können; in der Versammlung der Ständeaber verlangte der Adel sür sich selbst und den Klerus zwei Stimmen ^von dreien. Was die Verwaltung anbetrifft, forderte er, daß dieAutorität, welche die königlichen Intendanten in den Provinzen übten, .also der gesammte Antheil der Krone an der Landesverwaltung, den ;Provinzialständen, mit anderen Worten dem Adel übergeben werde, jUnd als hätte er sich die Aufgabe gestellt, zu zeigen, daß er die ver- jlangte Machtvollkommenheit lediglich zur Förderung seiner besonderenStandesinteressen zu nützen gedenke, forderte er sür den Augenblick,dem gewaltigen jährlichen Ausfall in den Finanzen und einer er-drückenden schwebenden Schuld gegenüber, daß ungefähr zwei Fünf-theile aller zur Zeit bestehenden Steuern, natürlich vorzugsweise die-jenigen, die er mit zu tragen hatte, abgeschafft werden sollten. Fürimmer aber verlangte er, daß alle Ofsizierstellen in der Armee undFlotte, alle höheren Aemter, alle reicheren Pfründen der Kirche, be-sonders die „Abteien" genannten kirchlichen Sinecuren, noch aus-schließlicher als bisher dem Adel vorbehalten blieben. Selbst diewenigen Ausnahmen, welche die Regierung bisher in seltenen Fallenbei der Vergebung kirchlicher Pfründen zu Gunsten Bürgerlicher ge-macht hatte, sollten fortan nicht gestattet sein.
Wie befremdend tritt uns diese lange Reihe selbstsüchtiger For-derungen entgegen! Man sollte es kaum sür möglich halten, dieeigene Zeit in solchem Grade zu verkennen. Und doch ist gar mancherfranzösische Legitimist noch heute bereit, in leidenschaftlicher Weise zu jbehaupten, daß diese Forderungen berechtigt waren; den ewigen Grund- !sätzen des Rechts dürfe doch nun einmal nichts vergeben werden, und ^wenn die Welt darüber zu Grunde gehen sollte! — Auch läßt sichdie seltsame Erscheinung, die so oft wiederkehrt im Lauf der Geschichte,in gewissem Sinne wohl erklären, so gespensterhaft sie dem Unbe-fangenen vorkommen mag. Wer überwiegend in Standesverhältnissen,in dem mehr oder weniger geschlossenen Kreise Gleichgesinnter, lebt,dessen Blicken wird eben die wirkliche große Welt, die jenseit diesesenggezogenen konventionellen Kreises liegt, durch seine Gesellschaftentzogen.
So begegneten sich in der Versammlung der Reichsstände, dieam 5. Mai 1789 zu Versailles eröffnet wurde, die schroffsten Gegen-sätze; in verschiedenem Sinne revolutionäre Parteien standen einander