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Zweiter Band.
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Die französische Revolution und die historische Forschung.

protestirten — aber die Verfassung war trotz ihres Widerspruchs,nach wenigen Stunden beschworenes Landesgesetz.

Ignatz Potocki, der unter den Polen als der eigentliche Urheberdieser Revolution bezeichnet wird, war nach den Berichten des eng-lischen Gesandten hauptsächlich durch seine persönliche Verfeindungmit den Häuptern der russischen Partei bestimmt; was die Masse der88 betrifft, so ergiebt sich, daß sie für ihr Votum bezahlt waren, zumTheil vorn König — ob auch von Oesterreich, davon zeigen sich keineSpuren.

Der sächsische Gesandte widerrieth seinem Landesherrn aus dasDringendste die Annahme der polnischen Krone, warnte vor der Un-zuverläßlichkeit der Polen, verwies auf die Unhaltbarkeit einer Ver-fassung, für die eigentlich im ganzen Reich nur 88 Individuen, ohneAuftrag und Vollmacht von ihren Wählern, folglich ohne Recht, ge-stimmt hatten, die nie zur Ausführung kommen konnte, wie Landund Leute einmal beschaffen waren. Er prophezeite, was auch ein-traf, daß die große Mehrzahl der Magnaten, und fast alle Dietinen,d. h. Adelsversammlnngen in den einzelnen Landestheilen, gegendiese Verfassung proteftiren würden.

Aber war dies Gaukelspiel das Werk einer einheimischen, odereiner österreichischen Intrigue? — Es ist nicht ganz leicht, darübervollständig in das Klare zu kommen, da Leopold II. sich in einemlabyrinthischen Gang seiner Politik gefiel, mit dem Behagen des über-legenen Spielers gern ein gewagtes Spiel trieb, und dabei ein sehrbequemes Gewissen hatte. Es hatte für ihn gar keine Schwierigkeit,nach verschiedenen Seiten hin die allerwidersprechendsten Erklärungenabzugeben. Eines der angeführten Actenstücke scheint uns indessendoch für Sybel's Darstellung zu entscheiden. Der Fürst Kaunitztheilte schon im Juni 1791 dem russischen Hos den Plan seines Kaisersmit, die polnische Krone bleibend mit Sachsen zu verbinden. Freilichverräth der Umstand, daß man die Erbfolge nicht nach OesterreichsWünschen geordnet hatte, den Einfluß auch noch anderer Intriguen,die sich vielfach kreuzten: aber Oesterreich bemühte sich, das Ganzeaus seinen Entwurf zurückzuführen. Der Kurfürst von Sachsen wurdeveranlaßt, die Nachfolge für seine Brüder, mit Ausschluß seiner Tochter,zu verlangen — und selbst aus Aktenstücken, die Herrmann mittheilt,geht hervor, daß Leopold in Petersburg eifrig unterhandelte, um die