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Anmerkungen,
glaubte auf den Feldzug am Rhein verzichten zu müssen, sa namhafte Verstär-kungen nach Italien gesendet? — War das Letztere der Fall, warum wurden danndie so oft verlangten Verstärkungen, deren Nothwendigkeit Gyulai wiederholt dar-gethan hatte, erst unmittelbar nach dem Ultimatum, nach Italien in Bewegung ge-setzt, und nicht unmittelbar vorher?
Oder, glaubte man in dem Augenblick in welchem das Vorrücken über denTicino angeordnet wurde, daß der Krieg am Rhein sofort herbeigeführt werdenkönne, und überzeugte man sich dann schon in den nächsten Tagen daß es damitwenigstens so schnell nicht gehen werde; daß man inzwischen für eine erfolgreicheKriegführung in Italien sorgen müsse, da es allerdings den diplomatischen Be-strebungen Oesterreichs zu Berlin und am Bundestage nicht förderlich sein konnte,wenn die österreichischen Waffen am Po schlecht bestanden?
In den Telegrammen, die Graf Gyulai aus Wien erhielt, scheint etwas derArt angedeutet. Jedenfalls aber beweist dieses plötzliche Uebergehen von einer be-stimmten Reibe von Maßregeln zu einer anderen, dem Wesen und der Bedeutungnach verschiedenen, daß die Pläne, die man zu Wien verfolgte, dort, wenigstenswas die Mittel der Ausführung betrifft, nicht ausreichend durchdacht waren.
2) Wir wissen jetzt daß Gyulai nicht in der Voraussetzung, die feindlicheArmee dort zu treffen und eine neue Schlacht bei Novara herbeizuführen, nach Ver-celli zog — aber wir wissen in Wahrheit auch jetzt noch nicht, was wir uns beiseinen Operationen eigentlich denken sollen,
Der österreichische Generalstabs-Offizier vorn 7. Armee-Corps sagt, man habeeine Offensive auf Turin „fingiren" wollew, und die Unternehmungen am Po am3. Mai hätten lediglich zum Zweck gehabt die linke Flanke der österreichischen Armeewählend dieses Vorstoßes zu decke». — Gyulai selbst dagegen spricht, wenigstensnachdem er das Unternehmen wieder aufgegeben hatte, als sei es wirklich seineAbsicht gewesen bei Valenza und Bassignano über den Po zu gehen und auf denHöhen von S. Salvatore eine Schlacht zu suchen. Sollte es ihm wirklich damitErnst gewesen sein, am 3. Mai, nachdem er bereits am 25. April erklärt hatte, essei zu spät dazu? — Gar seltsam muthet es uns an, daß er dabei selbst die höchst-gestellten Generale unter seinen Befehlen, die Führer der Armee-Corps, in voll-ständiger Ungewißheit darüber ließ, 'ob wirklich der Uebergang über den Po erzwungenwerden, oder ob das Ganze nur eine Demonstration sein sollte. War er etwadarüber mit sich selbst noch nicht im Reinen? — Darüber ging die Gelegenheitverloren, sich der stehenden Po-Brücke bei Valenza zu bemächtigen, was, wie derFürst Edmund Schwarzenberg meinte, im ersten Augenblick thunlich und sogar leichtgewesen wäre. Gyulai sagt, die Ankunft der Franzosen bei Alessandria habe ihnveranlaßt — oder gezwungen — seinen Plan aufzugeben.
Nun folgt der Vormarsch auf der Straße von Novara nach Turin; unddiesen giebt Gyulai, nachdem er wieder aufgegeben war, gerade umgekehrt für eineDemonstration aus, während doch Einzelnheiten seiner Anordnungen auf die Ver-muthung führen daß doch etwas Ernstliches beabsichtigt gewesen sein könnte. Sonamentlich der Umstand daß der Belagerungs-Artillerie-Train, mit dem die Armeeausgestattet war, der Bewegung zunächst bis Mortara und zum Theil selbst bisVercelli folgen sollte. Belagerungs-Artillerie nimmt man doch wahrlich nicht zu